Schönbohm brüskiert KZ-Überlebende

Politische Dummheit oder Absicht? Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) hat am vergangenen Sonntag bei einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen für einen Eklat gesorgt. Vor hochbetagten ehemaligen KZ-Häftlingen erklärte er, dass man nicht nur den Opfern der Nazis gedenken müsse, sondern auch den Häftlingen des sowjetischen Geheimdienstes NKWD, der das Lager nach der NS-Zeit weiter betrieb. Tatsächlich wurden auch Antifaschisten unter den Sowjet eingesperrt, vor allem Sozialdemokraten, trotzdem waren von den rund 60.000 Inhaftierten ein großer Teil Nazis, darunter ehemalige Aufseher dieses KZs.

Noch während der Gedenkveranstaltung protestierten Vertreter des Internationalen Sachsenhausen-Komitees unter dem Beifall der alten Nazigegner gegen die Gleichsetzung der Häftlinge. Der Vorsitzende des Komitees erklärte: “Unter den nach 1945 Inhaftierten seien die Mörder, Peiniger und Quäler unserer Kameraden.”
Es geht nicht darum, die Ehrung der unter den Sowjets verfolgten Antifaschisten zu verhindern, sondern darum, dass es keine Gemeinsamkeiten zwischen antifaschistischen und nazistischen Häftlingen geben kann. Eine gleichzeitige Nennung der Gefangenengruppen verwischt die tatsächlichen Verhältnisse und setzt die beiden Gruppen gleich. Das muss verhindert werden.
Es ist unklar, warum Schönbohm diese Gleichsetzung betreibt. In einer Presseerklärung, die offenbar nach der Veranstaltung publiziert wurde, wird aus seiner Rede zitiert, ohne mit einem Wort auf die Kritik der Opfer-Organisation einzugehen.

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