Rote SA marschiert

In der vergangenen Woche begann in Moabit der Prozess gegen einen Mann aus der Antifaszene. Neonazis behaupten, ihn nach einem Überfall wiedererkannt zu haben, bei dem zwei Rechtsextremisten in Lichtenberg verletzt wurden. Dass der Mann an dem Überfall beteiligt war, darf bezweifelt werden; dass es solche Angriffe gibt, ist eine Tatsache.

Da steht auf einer Seite eine seit 20 Jahren organisierte Neonazi-Szene, die bei jeder Gelegenheit gegen Ausländer, Linke und andere Feindbilder vorgeht, die Gewalt kennt dabei keine Grenzen, Verletzte sind die Regel, aber auch Todesopfer sind zu beklagen. Denen gegenüber steht eine nicht weniger schlecht organisierte Autonome Antifa, die ebenfalls jede Möglichkeit nutzt, Rechtsradikale anzugreifen. Auch hier pflastern Verletzte und Leichen den Weg.
Doch noch immer haben die Linken in der Öffentlichkeit einen Stein im Brett, vor allem Medien und linke Politiker wollen nicht sehen, dass es sich bei der Antifa eben nicht nur um eine Gruppe handelt, die sich oder andere verteidigt. Spätestens seit Anfang der 90er Jahre gibt es autonome Schlägergruppen, die wortwörtlich ohne Rücksicht auf Verluste agiert: Zahllose Überfälle auf vermeintlich Rechte oder Rechtsextremisten gehen auf ihr Konto, am Alexanderplatz wurde ein 18-jähriger Junge totgeschlagen, am Kottbusser Damm ein rechter Politiker von hinten erstochen. Alles im Namen des Antifaschismus, des angeblichen Wehrens gegen Intoleranz und Gewalt. Es geht hier nicht um den Widerstand bei einer Aktion von Neonazis, in diesem Fälle halte ich auch militante Gegenwehr für berechtigt. Aber wer einfach nur Andersdenkende angreift und verletzt, eben weil sie anders sind als man selber, dann gibt es keinen Unterschied mehr zu den prügelnden Faschisten. Sie neue SA gibt es nicht nur auf der rechten Seite, sondern genauso auf der linken. Das hat sich erst in der vergangenen Nacht wieder gezeigt.
Heute morgen gegen vier Uhr saßen fünf vermutlich Rechtsradikale in einem Fast-Food-Restaurant in der Frankfurter Allee. Als ein Mann hineinkam und sie als Faschisten beschimpfte, reagierten sie nicht. Ich nehme an, sie hätten ihn locker verprügeln können. Stattdessen veschwand er wieder, um kurz danach mit einer Gruppe schwarz gekleideter und vermummter Männer zurückzukommen. Sie griffen die Gruppe sofort an und schlugen so hart auf sie ein, dass die Feuerwehr sie alle ins Krankenhaus bringen musste. Die Angreifer verschwanden unerkannt.
Man fragt sich, warum diese Form der Gewalt und Intoleranz von rechts nicht akzeptiert wird, bei den Linken aber schon. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass es hier eine Art linker Selektion gibt, gute und schlechter Täter, gute und schlechte Opfer. Man kennt das auch vom Umgang mit gewalttätigen Ausländerbanden, die man nicht benennen darf, ohne in den Verdacht des Rassismus’ zu geraten.
Aber ich lehne diese Form der Unterscheidung ab. Für mich sind linksextreme Gewalttäter genauso Verbrecher wie die Neonazi-Schläger.

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1 Kommentar zu Rote SA marschiert

  1. Dieser Kommentar trifft genau meine Meinung und Erfahrung.

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