Die Polizei

Zwar ist der “Tag der Volks­polizei” erst in drei Wochen, aber weil Klaus und  Sash in ihren Blogs gestern schon was zum Thema Polizei geschrieben haben, will ich meinen geplanten Artikel mal vorziehen.
Es gab Zeiten, da waren Polizisten für mich einfach nur Bullen. Ich habe sie aus tiefster Überzeugung und tausend Gründen gehasst, und nicht alle davon waren unbegründet. Manche gelten bis heute, allerdings ist mein Verhältnis zur Polizei mittlerweile entspannter. Ich habe aber die vielen Attacken gegen mich nicht vergessen: Wie sie mich verprügelt haben, weil sie das vermutete Marihuana nicht gefunden haben. Wie sie einem Freund bei einer Häuserräumung in die Beine geschossen haben. Wie sie mich auf einer Wache in der Bismarckstraße eine Treppe hinuntergestoßen haben. Oder wie sie in eine abgesperrte Sammelzelle ohne Lüftung Tränengas geworfen haben. Aber ich war ja auch nicht besser zu ihnen. Knüppel, Steine, zertrümmerte Autoscheiben, einige von ihnen habe ich auch verletzt.

Aber es war nicht alles unberechtigt. Mein Schlüsselerlebnis hatte ich am 4. Juni 1980, bei der Räumung des Widerstandsdorfs in Gorleben. Mit Baggern fuhren sie unsere Hütten und Zelte platt, teilweise ohne vorher nachzusehen, ob noch jemand drin ist. Sie stürzten einen Turm um, in dem in 15 Metern Höhe noch Menschen waren, die sich dort angekettet hatten. Ein Jahr später trieben sie in Berlin Demonstranten in den fahrenden Verkehr, einer von uns wurde vom Bus überfahren und getötet. Damit waren die Fronten klar und es war kaum zu erwarten, dass sich daran etwas ändert.

Dass es heute anders ist, liegt an beiden Seiten. Zwar gibt es noch immer ungerechtfertigte Polizeigewalt und viele von denen sind auch bei jeder Gelegenheit gehässig und lassen den Macker raushängen. Trotzdem ist es nicht mehr so extrem wie damals. Ein Unterschied ist auch, dass vieles von der Polizeiführung und dem Innensenat nicht mehr gedeckt wird. Korrupte oder grundlos prügelnde Polizisten müssen heute damit rechnen, zur Rechenschaft gezogen zu werden, was früher praktisch ausgeschlossen war. Natürlich gibt es die Rambos immer noch, aber sie sind nicht mehr so bestimmend.

Auch ich habe mich verändert. Heute weiß ich, dass Gewalt in der politischen Arbeit nichts zu suchen hat und dass man nicht automatisch jemanden angreifen sollte, nur weil er Polizist ist. Dazu kommt, dass ich auch im Ausland Erfahrungen gemacht habe, die im Vergleich mit Deutschland extreme Unterschiede aufzeigen. Die Polizei in Indien habe ich mit Peitschen zuschlagen sehen, weil ein paar Leute auf der Straße  friedlich Parolen gerufen und Flugblätter verteilt haben. Italienische Carabinieri hat mich an der Autobahnauffahrt zusammengeschlagen, weil ich nicht sofort weggegangen bin, als sie es mir befohlen haben. Dagegen ist das hier richtig friedlich.
Ein wirklich gutes Verhältnis werde ich zur Polizei aber wohl nie haben. Männer mit Knarren konnte ich eben noch nie leiden.

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