Die AVUS

Die AVUS ist das südliche Autobahn-Tor nach Berlin. Doch sie ist nicht nur einfach eine von vielen Autobahnen, sondern blickt auf eine interessante Geschichte zurück. Berühmt wurde sie ab den 20er Jahren durch die Rennsportveranstaltungen.

Motiviert durch deutsche Misserfolge bei Automobil-Rennsportveranstaltungen wurde im Jahre 1909 die Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße GmbH gegründet, mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie zu fördern. Nach Umwandlung in eine Aktiengesellschaft begannen 1913 die Arbeiten für eine nur für Autos zugelassene Straße entlang der Wetzlarer Bahn von Charlottenburg nach Nikolassee.
Wegen des Ersten Weltkrieges wurden die Arbeiten 1914 kurz vor der Fertigstellung eingestellt. Erst im Jahre 1921 wurde die Rennstrecke durch private Investitionen von Hugo Stinnes vollendet und am 24. September 1921 eröffnet. Die geradlinige Rennstrecke verband die Nordkurve (Halensee, Charlottenburg) mit der bei Nikolassee gelegenen Südkurve zu einem ca. 19 km langen Rundkurs. Nach der Eröffnung wurde die Strecke für den privaten Verkehr freigegeben. Ein einmaliges Durchfahren kostete die stattliche Summe von 10 Mark, eine Vierteljahreskarte 1000 Mark.
Bereits beim Eröffnungsrennen zeigten sich auf mangelnde Erfahrung im Fahrbahnaufbau zurückzuführende Defizite der Strecke. In den Folgejahren wurden wegen der mit der Inflation einhergehenden wirtschaftlichen Not mobile Teile von der notleidenden Bevölkerung demontiert und verkauft oder verheizt.

Im Jahr 1926 fand mit dem ersten Großer Preis von Deutschland wieder ein großes Autorennen statt, bei dem aufgrund widriger Witterungsbedingungen und des schlechten Streckenzustands vier Todesopfer zu beklagen waren. Neben mangelnder Griffigkeit des Belags hatte die Strecke aufgrund des traditionellen Fahrbahnaufbaus bei mangelnder Verdichtung des Untergrunds Bodenwellen mit bis zu 10 cm Höhe. In den folgenden Jahren wurde die AVUS nun auch Versuchsstrecke für Straßenbau, auf der viele Elemente des heutigen Straßenbaus erstmals getestet wurden. Der Rennbetrieb kam infolge einer Absatzkrise der deutschen Automobilindustrie Mitte der 20er Jahre und der darauf folgenden Weltwirtschaftskrise weitgehend zum erliegen. Er wurde erst Anfang der 30er Jahre wieder regelmäßig aufgenommen.

Um die Rundengeschwindigkeiten zu erhöhen und um Platz für die heutige Halenseestraße zu gewinnen wurde die alte Nordkurve 1937 durch eine überhöhte, bis zu 44° steile, aus Backsteinen gemauerte Steilkurve mit einem wesentlich geringeren Radius ersetzt. Das nun jenseits der Halenseestraße gelegene Verwaltungsgebäude wurde durch ein neues Gebäude mit einem Zielrichterturm am Ausgang der Nordkurve ersetzt. Dieses dient heute als Motel. Gleichzeitig wurde eine neue Tribünenanlage errichtet.
Der Anschluss zum Berliner Ring wurde 1940 für den Verkehr freigegeben, wodurch die AVUS als Zubringer endgültig ihren Privatstraßencharakter verlor. Die auf dem Gelände der Tankstelle an der Ausfahrt Spanische Allee gelegene Südkurve wurde danach deswegen gesperrt. Eine projektierte überhöhte Südkehre konnte wegen des Zweiten Weltkrieges nicht vollendet werden, der bereits aufgeschüttete Wall wurde nach dem Krieg von der amerikanischen Besatzungsmacht als Schießplatz genutzt. Ersatzweise wurde nun die Motorradkurve am Hüttenweg zur Südkehre, wodurch sich die Rennstrecke auf eine Länge von 8,3 km verkürzte.

Vom Kriegsgeschehen im Zweiten Weltkrieg blieb die AVUS nicht ganz verschont. Das stark beschädigte Nordtor wurde bald nach dem Krieg abgerissen. Da die Benutzung nun kostenfrei war, hatte es ohnehin seine Funktion verloren. Nachdem in den ersten Nachkriegsjahren nicht an einen Rennbetrieb zu denken war, wurde nach Ausbesserung der gröbsten Schäden bereits 1951 das erste Rennen gestartet. Die überhöhte Nordkurve erwies sich jedoch weiterhin als beständige Gefahrenquelle mit spektakulären Unfällen, von denen einige tödlich endeten.
Im Jahre 1959 fand der Große Preis von Deutschland anstatt wie bisher am Nürburgring auf der AVUS statt. Das F1-Rennen gewann Tony Brooks auf Ferrari. Im Sportwagenrennen starb jedoch der Vorjahressieger Jean Behra, als sein Porsche 718 im Regen über die Steilwandkurve rutschte und mit dem Podest einer ehemaligen FLAK-Stellung kollidierte. Einen ähnlich spektakulären Unfall hatte Richard von Frankenberg 1956 unverletzt überstanden, der aus seinem Wagen geschleudert wurde, bevor dieser auf einem Parkplatz hinter der Nordkurve aufschlug und in Flammen aufging.
Damit war die große Zeit der Grand-Prix-Rennen auf der AVUS vorbei. Der Schock saß so tief, dass drei Jahre lang überhaupt keine Autorennen auf der AVUS ausgetragen wurden.
Da Steilkurven von der Motorsportbehörde der FIA generell als gefährlich und nicht mehr zeitgemäß eingestuft wurden, riss man die überhöhte Nordkurve 1967 ab, um sie erneut durch eine flache Nordkurve zu ersetzen, die mit dem Platzbedarf des neuen Autobahndreiecks am Funkturm verträglicher war. Trotzdem gab es noch schwere Unfälle. So überquerte in der Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft der BMW M3 von Dieter Quester einmal funkensprühend die Ziellinie auf dem Dach, was noch für den dritten Platz reichte.

Mit dem zunehmenden Individualverkehr wurden Sperrungen der AVUS für Rennsportveranstaltungen problematischer, da sie für den Trainingsbetrieb schon vor den Renntagen am Wochenende gesperrt werden musste. Der geradlinige Hochgeschwindigkeitskurs entsprach nicht mehr den Anforderungen des Rennsports und wurde mehrmals verkürzt.
Nach der Öffnung der Berliner Mauer 1989 und dem damit noch einmal ansteigenden Verkehr von der Innenstadt zum Berliner Ring nahte daher das endgültige Ende des Rennbetriebs auf der AVUS. Obwohl noch versucht wurde, die Strecke durch Verkürzung und Einrichtung von Schikanen zu entschärfen und für das Publikum interessanter zu gestalten, wurde der Rennbetrieb 1998 schließlich komplett eingestellt.

Als kurios gilt der Bereich der Anschlussstelle Hüttenweg, denn in diesem Bereich weist die ansonsten gerade AVUS eine (aus nördlicher Richtung kommend) leichte Rechtskurve auf. Schaut man sich dagegen Stadtpläne an, so ist diese Kurve, die vom Funkturm aus zu erkennen ist, dort nicht verzeichnet. Der historische Ursprung für diese den Tatsachen nicht entsprechende Darstellung ist bis heute nicht geklärt. An dieser Anschlussstelle wurden übrigens auch Szenen einer Verfolgungsjagd für den James Bond-Film Octopussy gedreht.

Quelle: u.a. Wikipedia

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