SOKO ZDF

„SOKO“ ist die Abkürzung für „Sonderkommission“ bei der Polizei. Eine SOKO wird immer dann gebildet, wenn eine bedeutende Straftat aufgeklärt werden muss oder ein Kind vermisst wird. Leider hält sich das ZDF in seiner Krimireihe schon beim Namen nicht an die Realität, denn deren SOKOs sind Dauereinrichtungen, die in der Realität „Ermittlungsgruppen“ heißen.

Den Anfang machte vor 40 Jahren die SOKO 5113, die mittlerweile SOKO München heißt. Drei Jahre später folgten Ableger in Leipzig und Kitzbühel, mittlerweile gibt es insgesamt neun SOKO-Reihen, die meisten davon spielen bisher in Süddeutschland und Österreich.

Fast alle diese Serien werden im ZDF-Vorabendprogramm um 18 Uhr gezeigt. Lediglich SOKO Leipzig wird aufgrund der hohen Einschaltzahlen von rund 5 Millionen um 21.15 Uhr ausgestrahlt. 16 Jahre spielte der beliebte Schauspieler Andreas Schmidt-Schaller den Chef der SOKO Leipzig, insgesamt mehr als 300 Folgen. 2013 wurde seine Tätigkeit als einstiger Stasi-Spitzel bekannt, was in der Serie mitverarbeitet wurde.

Auch die Serie SOKO Wien (in Österreich SOKO Donau) ist sehr erfolgreich, wobei sie wie die meistens anderen unter der Tatsache leidet, dass das Verhalten der Kommissare öfters unrealistisch und fragwürdig ist. Aber das beobachtet man ja auch bei vielen anderen TV-Krimiserien.
Die Wiener SOKO-Reihe wird in 15 Ländern ausgestrahlt und spielt auch nicht nur in Österreich: Immer wieder reisen die Protagonisten ins östliche Ausland, vor allem nach Tschechien und die Slowakei.

Anders als bei den anderen Serien wird die Reihe SOKO Wismar nur zu einem Teil tatsächlich in der Stadt gedreht. Fast alle Innenaufnahmen entstehen in einem Studio in Berlin-Adlershof. Stattdessen sieht man oft identische oder extrem ähnliche Aufnahmen vom Hafen, der Altstadt sowie der Einfahrt zur fiktiven Polizeiwache.
Das spezielle an dieser Reihe ist, dass es als Zusatz die „SOKO+“-Folgen gibt. Nach der eigentlichen Geschichte besprechen eine reale Staatsanwältin aus Schwerin sowie ein Berliner Strafverteidiger die Folge, klären Fragen und geben einen Ausblick, wie der folgende Prozess in dem Fall wohl ausgehen würde.

Die neueste SOKO-Reihe spielt in Hamburg, sie ist erst Ende März gestartet. Für eine zehnte Serie, die dann in Potsdam angesiedelt sein wird, haben im März die Dreharbeiten begonnen. Wann sie ausgestrahlt wird, hat das ZDF noch nicht bekanntgegeben, vermutlich aber in diesem Herbst.

Allen SOKOs gemein ist, dass es sich um feste Ermittlungsgruppen handelt, die fast einen familiären Charakter haben. Und sie haben ein hohes Tempo, was vermutlich daran liegt, dass in der knappen Stunde meist mehrere Verdächtige abgearbeitet werden müssen. Und meistens wirken sie etwas zu sehr konstruiert.
Insgesamt sind praktisch alle SOKO-Reihen recht seichte Unterhaltung. Wirkliche Spannung kommt selten auf. Ihr Vorteil ist aber das Lokalkolorit und dass man nebenbei noch etwas Anderes machen kann – z.B. solche Texte schreiben.

 




Fischen im Trüben

idea.de und wörtlich fast gleich kath.net schreiben:

Stuttgart (idea) – Die „Gender-Ideologie“ bekommt politischen Gegenwind.

Über den Sinn und Unsinn solcher Anführungszeichen habe ich schon früher berichtet. Also diesmal nur zum Inhalt! Aber was ist der Inhalt?

Ich kannte bis heute den Begriff Gender-Ideologie nicht, habe aber neulich gelernt, dass die zwanghafte Verwendung von „Studentinnen und Studenten“ oder „Studierende“ statt der einfachen Mehrzahl „Studenten“ „gendern“ genannt wird. Ein Student ist männlich, eine Studentin weiblich, und seit Frauen überhaupt studieren dürfen, bezeichnete die Mehrzahl „Studenten“ Studierende beiderlei Geschlechts. Inzwischen herrscht jedoch eine Ideologie, nach der diese beide Geschlechter umfassende Semantik des Wortes „Studenten“ verwerflich wäre. Die Welt soll dadurch besser werden, dass Politiker und Journalisten bei jeder sich bietenden Gelegenheit die redundanten Silben „Studentinnen und Studenten“ aussprechen, und wehe, man macht dabei einen Fehler. Wenn man in den Niederlanden lebt und dieses Spiel von außen betrachtet, wirkt es tragikomisch. Aber, ja, wenn diese geisttötende Pflichtübung „gendern“ heißt, könnte man wirklich von einer „Gender-Ideologie“ sprechen, und politischer Gegenwind wäre erfrischend.

Aber idea.de meint anscheinend etwas anderes und fährt fort mit der Erklärung:

Sie besagt, dass jeder Mensch unabhängig von seinem biologischen Geschlecht wählen kann, als Mann oder Frau zu leben.

Dunkel ist der Rede Sinn. So ein Satz ist geeignet, Menschen, die nicht klar denken, Angst zu machen; aber als Definition ist er viel zu trübe. Es fängt damit an, dass „können“ mindestens drei verschiedene Bedeutungen haben kann. Raben können weiß sein, weil bei ihnen Albinismus vorkommt; aber der einzelne Rabe hat keine Wahl. Ich kann gehen, aber nicht fliegen, weil letzteres Menschen physikalisch unmöglich ist. Ich kann ins Konzert gehen, kann es aber auch lassen. In einer Definition einer Ideologie würde man einen Begriff wie „muss das Recht haben, zu…“ erwarten. Sollte das gemeint sein? Dann müsste man lesen: „Die Gender-Ideologie besagt, dass jede Frau das Recht hat oder haben sollte, als Mann zu leben und jeder Mann das Recht, als Frau zu leben.“ In einem Land wie Saudi-Arabien würde das Sinn ergeben. Da unterliegt das Leben von Frauen bis in kleinste Einzelheiten strengen Vorschriften, und es ist verboten, dass eine Frau sich kleidet und frei bewegt wie ein Mann. Hier in Westeuropa jedoch kleiden und rasieren sich viele Männer androgyn, Frauen tragen regelmäßig Hosen, bewegen sich völlig frei und ergreifen immer mehr Männerberufe. Nicht aus Ideologie, sondern weil sie es furchtbar gern wollen. Eine winzige Minderheit von Männern trägt gern Frauenkleider, und das ist schon lange nicht mehr verboten.

Wenn es so eine Gender-Ideologie gäbe, was würde die denn hier bei uns eigentlich wollen? Dass Männer auch zu Gynäkologen gehen und ins Klimakterium kommen? Oder dass Frauen stehend ihr Wasser lassen?

Keine respektable Zeitschrift sollte ihren Lesern solch eine schwammige Definition zumuten.

Wir lesen weiter:

Die Fixierung auf soziale Rollen, etwa als Mutter und Hausfrau, sei auf die Erziehung zurückzuführen und müsse überwunden werden.

Mutter sein ist doch wohl mehr eine biologische Funktion als eine soziale Rolle. Ansonsten ist dies der erste verständliche Satz des Artikels. Das wichtigste Wort ist „Fixierung“.

Seit Jahrtausenden ist die Macht ja ungleich verteilt zwischen Männern und Frauen, seit Jahrtausenden gibt es immer wieder Frauen, die mehr wollen als nur Mutter und Hausfrau sein. Frauen haben dafür gekämpft, wählen und studieren zu dürfen. Sie wollen auch auf andere, früher nur den Männern vorbehaltene Weise zu einer besseren Gesellschaft beitragen. Das hat uns Frauen gebracht wie Königin Elisabeth I., Annette von Droste-Hülshoff, Marie Curie, Wanda Landowska, Golda Meir, Madeleine Albright und viele andere mehr. Inzwischen sind immer mehr Männer davon überzeugt, dass ein paar Frauen in Regierungen und wissenschaftlichen Gremien dort die Diskussionskultur verbessern, weil nicht mehr jeder auf seinem Misthaufen krähende Hahn ernst genommen wird. Und die meisten dieser Frauen sind gerne Mutter und kümmern sich neben dem Beruf auch noch mehr als ihre Männer um unangenehme Hausarbeiten.

Kein vernünftiger Mensch bestreitet, dass es etwas Wunderbares und Wertvolles ist, Kinder zu bekommen und zu guten Menschen zu erziehen; aber nicht alle Frauen wollen sich darauf fixieren, also reduzieren lassen. Und viele wollen das gern mit ihrem Mann zusammen tun. Nur einige wenige fühlen, dass sie keine Kinder haben können oder wollen. Früher gingen die ins Kloster und wurden respektiert.

Es gibt zwar durchaus bei uns ein gesellschaftliches Problem; aber das hat nun wirklich nichts damit zu tun, dass Männer „als Frauen leben wollen“ oder umgekehrt: Leider entscheiden sich viele Frauen und ihre Männer unter gesellschaftlichen Druck gegen Kinder oder verschieben ihren Kinderwunsch auf später. Das ist schlimm, und darum sollten wir uns kümmern. Man kann es gemeinsam lösen, wenn man gut hinschaut und die Ursachen versteht. Wer aber mit diesem Schreckbild der sogenannten Gender-Ideologie argumentiert, macht sich unglaubwürdig und lächerlich.

Schon lange ist deutlich, dass die Fixierung von Frauen auf nur die Aufgaben von Mutter und Hausfrau, also das Vorenthalten von Bildung und Bürgerrechten, das Unmöglich machen von ganzen Lebensläufen eine Frage der Erziehung, früher auch des Rechtssystems ist. Ja, diese ausschließliche Fixierung muss natürlich überwunden werden, und dabei sind wir seit Jahrhunderten auf dem guten Weg. Es geht um Glück, Freiheit, Entfaltung der Persönlichkeit und Beitrag zur Gesellschaft. Wenn das Ideologie sein soll, ist die ganze Renaissance und Aufklärung Ideologie. Das heißt aber doch nicht, dass verboten werden soll, dass Frauen Mütter und Hausfrau sind. Vielleicht gibt es am äußersten Rand eines reichen Spektrums von Meinungen vereinzelte durchgeknallte Spinner, die so ein Verbot fordern; aber die braucht die Politik doch nicht ernst zu nehmen. Wer die zu einer menschheitsbedrohenden Ideologie aufbaut, macht sich verdächtig, am anderen äußersten Ende des Spektrums angesiedelt zu sein und nach Saudi-Arabischer Weltordnung zu verlangen. Auch den oder die sollte man nicht ernst nehmen.

Warum regt sich rationalitas denn dann so über den Artikel aus idea.de bzw. kath.net auf? Weil hier mehrere Verstöße gegen ordentliches, klares Denken vorliegen.

Neulich sagte Kardinal Marx auf die Frage, ob der Wunsch nach sexueller Befreiung in der Katholischen Kirche nicht als eine westliche Schnapsidee gesehen würde, nein, seine Ansichten hätten durchaus auch „Zustimmung in Afrika, Asien und, eh, in der Kurie.“ Eine rührende Aufzählung von drei Rückstandsgebieten. Ähnlich niedlich gliedert idea.de die feindliche Welt in drei Teile:

Die Ideologie hat bei Feministinnen sowie in Politik und Kirche viele Anhänger.

Danach wird der Artikel perfide:

Beispielsweise richtete die EKD in Hannover ein Zentrum für Genderfragen ein. Gegen diese Gleichmacherei wendet sich jetzt eine wichtige Stimme in der CDU. Der Parteitag des Bezirksverbandes Nordwürttemberg beschloss am 25. Oktober in Stuttgart, die „Gender-Forschung” und ihre Schlussfolgerungen abzulehnen. Er wendet sich unter anderem gegen die Gründung weiterer universitärer Lehrstühle zum Thema Gender in Baden-Württemberg und gegen Mittelzuweisungen des Bundes für derartige Einrichtungen.

Hier wird bewusst trübes Denken zur Methode. Hier werden redlich denkende Menschen diffamiert.

Der Begriff „Gleichmacherei“ schwebte ja schon länger über dem Artikel. Jetzt fällt er nieder, um die EKD schlecht zu machen. Das Leserpublikum von idea.de versteht wahrscheinlich den Unterschied zwischen „gleich sein“ und „gleiche Rechte haben“ nicht. Was für einen Auftrag das Zentrum für Genderfragen eigentlich hat, wird nicht berichtet. Stattdessen wird suggeriert, dass es eine verwerfliche „Gender-Ideologie“ verbreitet. Und im nächsten Satz wird suggeriert das universitäre „Gender-Forschung“ und die hier angeprangerte „Gender-Ideologie“ das Gleiche wären. Dieses wissenschaftliche Forschungsgebiet untersucht aber gerade die Frage, welche Verhaltensweisen und Wünsche geschlechtsspezifisch angeboren und welche durch Erziehung eingegeben sind. Das Stellen von Fragen soll also schon verboten werden, und ganz sicher die daraus resultierenden Ergebnisse. Es erinnert an Goebbels‘ Feldzug gegen die „jüdische Physik“.

Eine höchst verquast definierte, angeblich bestehende Ideologie wird identifiziert mit einem wissenschaftlichen Forschungsgebiet. Ein höchst relevanter Unterschied zwischen „gleich gemacht werden“ und „gleiche Rechte haben dürfen“ wird übergangen. Die Forderung, gewisse Verhaltensweisen zu erlaubgen, wird verwechselt mit der Forderung, sie für alle zur Pflicht zu machen, ein Denkmuster, dass unter Logikern „Pornologik“ genannt wird. (Mehr dazu hier um Abschnitt Die Regeln reinlichen Denkens.) Das ist das Gegenteil von klarem Denken und gemeinsamen Lösen wirklicher Probleme. Das ist das Schüren von dumpfer Angst bei Leuten, die man dumm hält.

Plötzlich aber wechselt der Artikel das Thema und kommt doch noch auf das hier eingangs erwähnte „gendern“:

Umbenennungen wie „Studentenwerk” in „Studierendenwerk” sollen „mangels Mehrwert für irgendjemanden“ unterbleiben. Außerdem fordert der Parteitag seine Mitglieder auf, im Schriftverkehr und in Publikationen den männlichen Oberbegriff beizubehalten, also etwa „Studenten” statt „Studierende” zu schreiben.

Das wäre ein vernünftiger Vorschlag, wenn sich da nicht eingeschlichen hätte, dass der Plural „Studenten“ männlich wäre. Vielleicht ist dieser Bezirksverband ja auch gegen Aufklärung und Gleichberechtigung und spielt ein ähnlich trübes Spiel.

Vorsitzender des Bezirksverbandes ist der Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger (Ludwigsburg), der der pietistischen Bewegung nahe steht. Er ist auch Vorsitzender des Kuratoriums der Bundeszentrale für politische Bildung mit Sitz in Bonn. In Bayern rumort es ebenfalls. Mitte Oktober verließ der Bezirksvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises der CSU (EAK) München, Jürgen Steffan, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Als Begründung nannte er unter anderem den wachsenden Einfluss der „Gender-Ideologie“.

Die Frage an den Schriftführer des Bezirksverbandes, was da wirklich beschlossen wurde, wurde nicht beantwortet.




Die Unsichtbaren

„Wir wollen leben“ ist der Untertitel dieses Films und er beschreibt sehr genau seine Stimmung. Es sind vier Geschichten, die doch alle den gleichen Ursprung haben: Im Alter von ca. 20 Jahren sollen sich die Jüdinnen und Juden mit ihren Familien in den Sammellagern der Nazis einfinden, von wo aus sie in die Konzentrationslager deportiert werden sollen. Aber alle weigern sich und beschließen, sich zu verstecken.
Der Film „Die Unsichtbaren“ begleitet sie zwei, drei Jahre bis zur Befreiung. Es sind keine fiktiven Geschichten, alle vier Jugendlichen haben tatsächlich gelebt und sind damals in Berlin untergetaucht.

Im hohen Alter erzählen sie im Interview von ihren Erfahrungen, dem Alltag unter den Nazis, den Ängsten, dem Verrat, der Solidarität. Der Großteil des Films dokumentiert die Zeit des Untergrunds als Spielfilm, dazwischen sieht man immer wieder Originalaufnahmen, Straßenszenen aus der Nazizeit. Die Mischung von Interviews, Dokumentar- und Spielfilm ist sehr gut gelungen. Die Zuschauer erleben wie es ist, wenn man zeitweise täglich das Versteck wechseln muss. Wie schwierig es ist, eine Unterkunft zu finden. Oder jemanden zum Reden. Er erzählt vom ständigen Hunger, denn zu der Zeit gab es Nahrung nur über Lebensmittelkarten.

Der Film zeigt auch, dass es trotz aller Widrigkeiten möglich war, verfolgte Juden zu unterstützen. Ob die einsame Kinokartenabreißerin, der hohe Wehrmachts-Offizier, das kommunistische Ehepaar oder der reiche Villenbesitzer im Grundwald – alle haben trotz der faschistischen Dauerpropaganda ihre Menschlichkeit und ihre Überzeugungen nicht verloren. Mehr noch: Als sie um Hilfe gebeten wurden, haben sie sofort zugesagt, obwohl sie damit ihre eigene Freiheit riskierten.

Die Unsichtbaren versteckten sich, waren aber doch sichtbar. Damit Nachbarn nicht misstrauisch werden, mussten Legenden entworfen werden. Das jüdische Mädchen wurde zu Nichte, der junge jüdische Mann lief plötzlich in HJ-Uniform herum. Manche verließen das Haus wochen- oder monatelang nicht mehr, andere gingen jeden Tag den Kudamm entlang oder täglich ins Kino. Den gelben Stern hatten sie alle längst von ihren Mänteln entfernt, trotzdem wurden einige von ihnen erkannt.

Alle vier haben den Faschismus überlebt, manchmal nur durch Zufall, aber alle nur durch Unterstützung von Bekannten, Nachbarn und vieler fremden Menschen. Etwa 7.000 Juden versteckten sich in Berlin, doch 80 Prozent von ihnen wurden erwischt. Durch Kontrollen, durch Verrat, durch fatale Zufälle.
Der Film zeigt, dass Hilfe und Solidarität auch in extremen Situationen möglich ist. Und dass es bitter nötig ist, dass man Menschen in Not helfen muss. Das ist sicher auch die Botschaft an heute.

Der Film „Die Unsichtbaren – Wir wollen leben“ läuft seit letzter Woche in gut sortierten Kinos.

 




Wahlnacht

Schon 2008 und 2012 habe ich mir in der Nacht angeschaut, wie in den USA gewählt wurde. Vor allem die erste dieser Wahlnächte war wirklich spannend – und sie ging mit Obamas Sieg so aus, wie ich es mir gewünscht hatte.

Spannend war es auch diesmal, wenn das US-Wahlsystem auch etwas ungewohnt ist. Auf ARD, ZDF, 3sat, n-tv, N24, Phoenix und ab 4 Uhr auf RTL versuchten die Moderatoren verzweifelt, die langen Stunden zu überbrücken, in denen immer neue Zahlen reinkamen. Es liefen die immer gleichen Aufnahmen, teilweise aus dem US-Fernsehen übernommen. Unzählige Experten lasen aus den Kristallkugeln und manche konnten ganz genau erklären wieso Hillary Clinton oder Donald Trump gewinnen mussten. Als dann relativ früh klar war, dass Trump besser abschneiden würde als erwartet, waren manche Experten sprachlos. Nicht wirklich, sie machten immer noch viele Worte, aber sie sagten nichts mehr.

Nach rund drei Stunden schaltete ich dann den Ton ab, ich konnte das inhaltsleere Gelaber der Moderatoren und zugeschalteten Experten nicht mehr aushalten. Fünf der sieben Sender hatten eingeblendet, wieviel Stimmen für die Wahlleute die beiden Kandidaten jeweils bekommen haben. Merkwürdigerweise hatten die Sender meist unterschiedliche Zahlen: Clinton 97, Trump 129 bei n-tv, 104 zu 131 im Ersten, 109 zu 135 im ZDF. Um 5 Uhr war die Verwirrung dann komplett: Laut ZDF führte Clinton plötzlich mit 25 Stimmen, während sie auf n-tv noch mit 27 zurücklag.

Die eindrucksvollste Show lieferte das Erste: Hier stand WDR-Fernsehdirektor Schönenborn vor einer elektronischen Landkarte der USA und tippte mehrere Stunden lang auf die einzelnen Bundesstaaten, die dann in verschiedenen Farben aufleuchteten. Noch während er „Wahrscheinlichkeiten“ erklärte kamen ihm offenbar Zweifel und plötzlich schlug er in seiner Verzweiflung vor, die Prognosen doch nicht so ernst zu nehmen. Das war wohl einer der besten Sätze dieser Nacht.




Small Talk mit dem Nazi-Rapper

Anfang vergangener Woche glauben viele Hörer des Radiosender Kiss FM nicht richtig zu hören: In der Sendung Facetalk wurde mit Makss Damage der bekannteste rechtsextremistische Nazi-Rapper Deutschlands per Telefon interviewt. Die Tatsache an sich wäre nicht schlimm, wenn „Lukas und Toyah“ kritisch an das Gespräch herangegangen wären. Tatsächlich aber hielten sie einen 30-minütigen Small Talk mit dem bekennenden Neonazi ab, der in seinen Liedern Propaganda absondert, wie „Europa erwache! Deine Kinder warten, die weiße, die arische Rasse“, der aus einem linke Jugendzentrum ein KZ machen will und der davon schwadroniert, Giftgas „lyrisch“ in jüdische Siedlungen zu leiten. Zahlreiche seiner Veröffentlichungen wurden bereits juristisch verfolgt, andere stehen auf dem Index.

Julian Fritsch, wie der 28-Jährige mit bürgerlichem Namen heißt, bekennt sich seit Jahren zu seiner Gesinnung und tritt vor allem auf Veranstaltungen der Rechtsextremisten auf. Warum der zum Thema Deutschland überhaupt zum Gespräch eingeladen worden war, konnte der Sender nicht erklären. Dem ebenfalls eingeladenen jüdischen Autor Shahak Shapira, der sich im Vorfeld beschwerte, wurde angeboten, das Gespräch doch abzusagen!

Er einigte sich mit der Redaktion darauf, dass er zugeschaltet wird, so dass wenigstens er dem Nazi kritisch begegnen könnten. Doch dazu kam es nicht. Die Interviewer führten das Gespräch mit Damage auf der Ebene „Pizza oder Döner?“, statt ihn z.B. mit seinen Buchenwald-Äußerungen zu konfrontieren. Mit kritischen Fragen sollte er nicht belästigt werden, so dass Shapiras Leitung erst freigeschaltet wurde, als der Nazi schon nicht mehr in der Sendung war.

Kiss FM rechtfertigte sich damit, dass man ja nicht nur einen Neonazi, sondern auch einen Juden in der Sendung hatte. Offenbar soll das heißen, dass es sich wieder ausgleicht? Auf die folgende Kritik von zahlreichen Hörern ging der Sender nicht ein, ebenso nicht auf Shahak Shapiras Frage, wieso ihm die Gelegenheit nicht gegeben wurde, sich direkt mit Makss Damage auseinanderzusetzen. Also war die vorherige Zusage eine Lüge.

In einer Zeit, in der Faschisten wieder stärker werden, CDU-Funktionäre von „Umvolkung“ reden und die Polizei Nazi-Demonstranten einen erfolgreichen Tag wünschen, wundert es auch nicht mehr, wenn Jugendsender Neonazis als ganz normale Gäste zu Wort kommen lassen. Dass sie die folgende Kritik ignorieren, kann nur bedeuten, dass sie ihr Handeln noch immer richtig finden. Dies aber ist nicht nur dumm und zeigt die Verblödung durch bestimmte Medien, sondern es stellt auch eine Verharmlosung von Neonazipropaganda dar. Die Entpolitisierung solcher Leute stellt sie als normale Bürger hin, obwohl sie Massenmord und Holocaust, Kriegshetze und die Ermordung von Demokraten propagieren.




Poké-Mongos on Tour

Seit der vergangenen Woche gibt es in der Stadt ein neuen Phänomen: Tausende von Menschen gehen durch die Straßen und halten dabei ihr Smartphone direkt vor das Gesicht. Nicht wie bisher etwas tiefer, so dass sie noch drüber schauen könnten, ob z.B. ein anderer Fußgänger den Weg kreuzt. Das Spiel “Pokémon Go” verlangt, dass man das Handy direkt vor die Augen hält, weil man über die Kamerafunktion auf die Welt vor sich schaut. Nicht in echt, aber auf dem Bildschirm erscheinen dann kleine Pokémon-Figuren, die man z.B. mit einem virtuellen Ball abwerfen soll. Die Figuren sind in das Straßenbild eingefügt, so wie bei einem Videospiel, das man sonst zuhause am Rechner spielt.

Allerdings vergessen viele Spieler, dass sie nicht am heimischen Schreibtisch sitzen, sondern sich in der realen Welt bewegen. Anders als beim normalen Gehen sieht die Kamera jedoch nicht nach links und rechts und so können die Poké-Mongos nur den Abschnitt direkt vor sich sehen. Umgerannte Passanten, stolpern und sogar Unfälle mit Autos waren in den vergangenen Tagen mehrmals die Folge. Im Prenzlauer Berg hielt die Polizei heute Mittag sogar einen Radfahrer an, der mit dem Smartphone vor der Birne auf Pokémonjagd war. Sie kommentierte es süffisant mit “PokémonBike statt PokemonGO. Radler auf virtueller Suche in echter Verkehrskontrolle.”

Mongo war früher übrigens ein Schimpfwort für Menschen, die unter dem Down-Syndrom leiden. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie in ihrer eigenen Welt leben, für ihre Umwelt ist nicht klar, ob und wie sie wahrgenommen werden. Die Parallelen sind unübersehbar.




Berliner Schnauze?

Touristen erkennt man spätestens daran, dass sie nach dem Weg zur Waschmaschine fragen. Und damit meinen sie keinen Waschsalon, sondern das Kanzleramt. Es ist eine Unsitte in Berlin, manchen Neubauten zwangsweise einen Spitznamen zu geben. Im Taxi höre ich das ja öfter: “Der Berliner sagt dazu…” Nein, DER Berliner und DIE Berlinerin sagen zum Kanzleramt nicht Waschmaschine, sondern Kanzleramt. Völlig egal, was fast alle Reiseführer behaupten und wieviel Mühe auch immer sich diese unsäglichen Lokalpatridioten von Bild und Abendschau geben, irgendwelche Kunstworte für neue Bauwerke zu kreieren. Selbst als ich noch ein kleiner Junge war, haben meine Verwandten nie von Lippenstift und Puderdose gesprochen, wenn sie die neue Gedächtniskirche meinten. Und dass man in Ost-Berlin außerhalb der Medien tatsächlich Telespargel sagte, wenn man den Fernsehturm meinte, ist wohl auch eher ein Gerücht.

Ich finde es peinlich, wie manche Medien mit aller Kraft versuchen, einen piefigen, angeblich historischen Berliner Brauch durchzusetzen, irgendeinen Kunstnamen zu erfinden. Das zeugt eher von der eigenen Spießigkeit, als von Fantasie.
Natürlich gibt es solche Namen, die auch im Sprachgebrauch gebraucht werden. Manche wurden nur selten erwähnt, um sich durchzusetzen. Wer benutzt heute z.B. den offiziellen Namen “Weltkugelbrunnen” für das, was alle nur den Wasserklops nennen. Oder “Turmrestaurant Steglitz” für das, was man als Bierpinsel kennt. Aber das snid Ausnahmen.

Aktuell versucht nun der Tagesspiegel, zwangsweise einen Namen zu finden. Opfer sind diesmal die beiden Hochhäuser am Breitscheidplatz, am Anfang der Kantstraße. Leser dürfen dort Vorschläge zur inoffiziellen Namengebung ins Online-Kommentarfeld schreiben. Neben ein paar offenbar wirklich ernst gemeinten Begriffen (Doppelspitze, Zootempels, Runder Zahn & Tetris) setzen sich dort aber eher diejenigen durch, die eine solche künstliche Benennung albern finden. Sie schlagen Namen vor wie Möchtegerne, Dick & Doof, Pickenprotze, Geld & Gier oder Möchtejernnujork. Man sieht: Die “Berliner Schnauze” existiert immer noch, wenn auch anders, als vom Tagesspiegel erhofft.




Mechanische Musik tötet Orchester!

Ach ja, der Musikindustrie geht es schlecht. Schon immer fühlte sie sich bedroht. Die Kampagne “Raubkopierer sind Verbrecher” gegen das Tauschen von Musikdateien in Internet war ja nicht die erste Panikmache. Vor zwei Jahren wurde hier schon aus einem Artikel von 1977 zitiert, in dem darüber berichtet wurde, die Musikcassette könnte der Tod der Schallplatte sein. Sogenannte “Tonband-Piraten” würden an der Musikindustrie vorbei Millionen von Cassetten bespielen und verkaufen.

Doch auch die Schallplatte war lange vorher schon mal ein Feindbild. Um die vorletzte Jahrhundertwende herum schaltete der Deutsche Musiker-Verband in Berlin Zeitungsanzeigen gegen die Nutzung der Schellack-Schallplatten:

“40.000 Berufsmusiker als Opfer der Technik arbeitslos!.
Kann mechanische Musik und Musik-Übertragung die lebendige Musik vollwertig ersetzen? Nein! Niemals!
Nicht Tonfilm, nicht Rundfunk, nicht Grammophon bieten wirkliche Musik mit natürlichem Ton.
Darum fordere man im Kino, im Café, im Restaurant Musik vom lebenden Orchester. Nur sie hat einen guten Klang!”

Genutzt haben die Annoncen nichts. So wie später auch nicht die Klagen der Schallplattenndustrie oder noch später der CD-Produzenten.




Chaos-Radio

Der Berliner Radiomarkt ist groß, über 30 Sender teilen sich Frequenzen, Hörer und Werbeeinnahmen. Da wird um jedes Prozent Einschaltquote gekämpft. Die Hörer werden angebrüllt, bestochen, für dumm verkauft, aber es nützt alles nichts. Manche Privatsender schaffen es trotzdem nicht, aber auch die Öffentlich-Rechtlichen streichen zusammen oder machen ihr Angebot massenkompatibel. Das RBB-Radio Fritz wurde bereits glattgefeilt, Radio Multikulti komplett stillgelegt.
Um Personalkosten zu sparen, werden kaum noch Redakteure beschäftigt, Unterhaltung geht vor Information und auch die technische Qualität sinkt. Im Inforadio kommt es vor, dass der Moderator plötzlich keinen Text mehr hat oder einzelne Nachrichtenmeldungen zweimal direkt hintereinander verlesen werden. Überhaupt ist das Inforadio ein gutes Beispiel für Sparkonzepte: Wer den Sender eine Stunde lang gehört hat, kann eigentlich abschalten, weil sich danach so ziemlich alles ständig wiederholt.

Vor allem nachts wird gespart, bei manchem Privatsender sitzt dann anscheinend gar keiner mehr im Studio. Musik und Werbetrailer kommen aus dem Rechner oder vom CD-Player. Dumm nur, wenn dann etwas schiefgeht. Das kennen die Hörer von Jazzradio gut, hier herrscht nachts öfter mal kurzfristige Funkstille. Den GAU aber erlebte kürzlich der Berliner Rundfunk: Offenbar klemmte wieder eine CD, kurze Zeit war überhaupt nichts zu hören. Plötzlich jedoch liefen zwei Songs gleichzeitig. Dieses Chaos brachte sicher nicht nur mich zum Lachen.
Mal sehen, wie das weitergeht. Demnächst gibts vielleicht eine versehentliche Live-Schaltung in die Kantinenküche oder ins Frauenklo, wo die Angestellten gerade über ihren Chef herziehen. Man darf gespannt sein.

Lustig ist es aber, wenn die Moderatoren durcheinanderkommen. So wie es meinem lieben Kollegen Bastian passierte, auf dessen Website und Blog ich übrigens hinweisen möchte! Vor einigen Wochen hat er dort einen sehr interessanten Beitrag “Gedanken zur Zukunft der Radionachrichten” gepostet.
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Alte Abendschau

Normalerweise zeichnet sich die RBB-Abendschau durch Langeweile und Spießigkeit aus. Nicht dass es früher anders war, trotzdem ist es interessant, sich die Aufzeichnungen aus vergangenen Zeiten anzuschauen. Im Rahmen des Gedenkens an den Mauerfall werden die Sendungen von vor genau 25 Jahren nochmal veröffentlicht. Das weckt bei manchen Erinnerungen, für andere ist das ein interessanter Blick ins West-Berlin vor ihrer Zeit. Aktuell wird dort vom Berliner Skandal um den Verfassungsschutz berichtet, die Streiks an der Unis sind ein Thema und auch der Unfall der sogenannten M-Bahn – einer Magnetbahn-Teststrecke, die damals zwischen dem Gleisdreieck und Kemperplatz fuhr und die Wand des Endbahnhofs durchbrochen hatte.

Damals traten gerade die rechtsradikalen “Republikaner” zur Abgeordnetenhauswahl an, die S-Bahn war ein paar Jahre vorher von der BVG übernomen worden und über allem schwebten noch die Alliierten, die in West-Berlin die oberste Gewalt hatten. Auch die fast wöchentlichen Berichte über DDR-Flüchtlinge muten heute wie Geschichten aus einer anderen Welt an.

Die Serie läuft immer nachts im RBB. Die jeweils sieben letzten Folgen sind aber auch im Internet abrufbar:
www.rbb-online.de/abendschau/serien/berliner-abendschau-vor25jahren/




Verdächtig sicher

Vom Disney-Konzern erwartet man in der Regel wenig regierungskritische Äußerungen. Das gilt in den USA wie auch hier in Deutschland. Trotzdem leisten sich die Macher der deutschen Ausgabe des “Lustigen Taschenbuchs” immer wieder mal mehr oder weniger klare Äußerungen zu gesellschaftlichen und politischen Themen. Natürlich verpackt in den Rahmen der typischen Geschichten aus Entenhausen, aber doch eindeutig kritisch.

In der Dezember-Ausgabe ist es die Geschichte “Verdächtig sicher” über die NSA, die hier “Nasweis, Spicker und Ausspecht” genannt wird. In Zusammenarbeit mit der Regierung in Form des Bürgermeisters und der Wirtschaft werden in der Kleinstadt 1.900 Kameras installiert, die alle Straßen und jede Ecke überwachen, um damit angeblich die Kriminalität zu bekämpfen. Anfangs geht das Konzept auch auf, bis deutlich wird, dass die NSA ihre ganz eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz hat. Am Ende werden die Kameras wieder abgebaut und die NSA-Führung verhaftet – an diesem Punkt zeigt sich leider, dass die Geschichte von der Realität leider doch recht weit entfernt ist.

NSA

Abbildungen aus dem LTB 449, Ehapa-Verlag




Abendschau macht Werbung

Eigentlich gibt es für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr genaue Vorgaben, was die Produktwerbung betrifft. Ganz sicher ist es dabei nicht erlaubt, während der Nachrichten mehrmals auf eine Firma hinzuweisen.
Genau das geschah gestern in der Abendschau des RBB. Da durfte ein Angestellter einer Paketsortieranlage darüber reden, was dort alles durchläuft. “Es ist eigentlich alles dabei, von Schuhen von Zalando bis Weinpakete.”

Was dem Angestellten rausrutscht, sollte dem Moderator aber nicht passieren. Trotzdem wies der in seinem Beitrag extra darauf hin, dass “auch viel Zalando dabei” ist. Und für diejenigen, die es noch immer nicht kapiert haben, zeigt das Bild mehrere Pakete dieser Firma in Großaufnahme, die gerade über das Förderband laufen.
Den Online-Händler freut’s sicher, dass die Zuschauern auf hin hingewiesen wurden. Nur mit Neutralität hat das leider nichts zu tun.




rbb wird RTL

Offiziell ist die Fusion des öffentlich-rechtlichen Senders Rundfunk Berlin-Brandenburg noch nicht, aber die Anzeichen sind offensichtlich: Immer mehr wird das Niveau der rbb-Sendungen abgesenkt, so dass es bald dem von RTL oder ähnlichen Fernsehsendern entspricht. Erfolgreiche, aber leider anspruchsvolle Formate des rbb werden entweder ganz abgeschafft (Radio Multikulti), inhaltlich völlig verflacht (Radio Fritz) oder die Nachrichten laufen scheinbar in einer Endlosscheife (Inforadio).

Besonders offensichtlich ist die Tendenz zur Zuschauerverdummung bei der täglichen Abendschau im rbb-Fernsehen. Das einzig wichtige Thema ist offenbar das Wetter. Und das, obwohl sich die Abendschau als Nachrichtensendung versteht und man erwarten könnte, dass es in Berlin viele Themen gibt, die wesentlich wichtiger sind. Zumal es unmittelbar vor der Sendung sowie an deren Ende sowieso gleich zwei ausführliche Wetterberichte gibt. Trotzdem: Kaum ist es unter null oder über 25 Grad, kann man sicher sein, dass es ein oder zwei “Nachrichten” darüber gibt. Im Winter ist es kalt, im Sommer heiß, und das muss dringend berichtet werden, am besten noch mit anschließenden Sondersendungen, wie allein am vergangenen Wochenende gleich zwei mal.
Keinerlei Informationswert haben auch die täglichen Passanteninterviews, in denen sich irgendwelche Leute von der Straße nochmal darüber beschweren, dass man bei Hitze schwitzt oder bei Kälte friert. Falls es irgendjemand noch immer nicht verstanden hat.

Leider ist kein Ende absehbar. In einer Stellungnahme der Abendschau-Redaktion wird behauptet, dass “die Zuschauer” es eben so wollen. Das ist natürlich Quatsch, weil es durchaus auch Zuschauer gibt, die noch nicht auf diese Ebene heruntergezogen wurden und einfach nur Nachrichten aus ihrer Stadt sehen wollen. Und zwar nicht auf anspruchslosem RTL-Niveau, sondern mit Informations-, statt nur mit Unterhaltungswert. Dafür werden von uns schließlich jeden Monat Gebühren kassiert!




Die Tonband-Piraten – Musikindustrie am Ende?

Nicht erst in diesen Tagen tun Unterhaltungskonzerne so, als ob durch die MP3-Downloads im Internet das Ende ihrer Tage gekommen sei. Das Ganze gab es auch schon vor 35 Jahren. Auszüge aus einem Spiegel-Artikel vom 1977:
Die Musikbranche feiert den 100. Geburtstag des Tonträgers und wagt sich nicht einzugestehen, dass das “Jahrhundert der Schallplatte” zu Ende geht. Erstmals werden mehr Tonband-Kassetten als Schallplatten verkauft. Vor allem die Leerkassette stellt die Musikfirmen vor kaum lösbare Probleme. Sie verlieren durch Überspielungen pro Jahr eine Milliarde Mark.
Edisons Erfindung, die mechanische Schallaufzeichnung, hat den Musikmachern in aller Welt Milliarden eingebracht. Doch mehr als die Hälfte der Musik, die heute weltweit auf Tonträgern verkauft wird, ist nicht mehr in Edisons Rillen geritzt. Das elektromagnetische Tonband überflügelt die Schallplatte zunehmend am Markt. In handlichen Kassetten (zehn mal sechs Zentimeter groß) aufgespult, hat das Band die Platte als Top-Tonträger abgelöst.
Erstmals wurden im Jahr 1976 mehr Bandkassetten als Langspielplatten (LP) abgesetzt – teils als bereits bespielte “Musikkassetten” (MC), teils als Leerkassetten, die den Konsument selber mit Klängen füllt. In westdeutschen Bürgerhaushalten stehen schon heute annähernd so viele Kassetten-Recorder wie Plattenspieler. Und zunehmend wird elektronisch aufgerüstet: 1976 verkaufte die Elektroindustrie in Westdeutschland noch 2,1 Millionen Plattenspieler, davon allerdings 1,5 Millionen in “Kompaktanlagen” zusammen mit Kassettengeräten. Daneben aber wurden mehr als drei Millionen reine Kassettenmaschinen abgesetzt – sogenannte Radio-Recorder und, mit steigender Tendenz, hochwertige Hi-Fi-Tape-Decks.
Teenager von gestern, die aufgrund geringen Taschengelds bis vor kurzem Funksendungen auf Billig-Recordern mitschnitten oder ausgeliehene LPs kopierten, bleiben auch als kaufkräftige Twens dem Kassettensystem treu. Denn die von Philips vor 14 Jahren entwickelte Technik der Kompaktkassette ist längst der Platten-Technologie ebenbürtig. Die Kassette tönt knisterfrei an jedem Ort und in jeder Lage – über Schlaglöchern im Kraftfahrzeug, auf dem Campingplatz wie im Kinderzimmer. Sie ist in ihrer Kapsel vor Sonne, Staub und Stoß geschützt. Das Band kann in modernen Abspielgeräten nicht mehr gezerrt werden; es ist nahezu unbegrenzt nutzbar.
Die Tonträger-Industrie, die sich gegenüber der Kassette lange gesperrt hat, ist mittlerweile von den technischen Vorzügen des neuen Mediums überzeugt.  Sie bringt, von Ausnahmen mit geringer Umsatzerwartung abgesehen, seit kurzem so gut wie jedes neue Tonprodukt zugleich auf LP und MC heraus. Denn auch der Hauptvorbehalt des Vertriebs, die kleinformatige Kassette biete zu wenig Werbefläche, wird durch Präsentboxen – bis zu sechs MCs mit Begleittext in einer buchähnlichen Hülle – überrollt.
Die Plattenfürsten wissen, dass die Fertigung, die Lagerung und der Vertrieb der Musikkassetten billiger und damit profitabler als das Schallplatten-Business sind. Dennoch gelten die größeren Werbeanstrengungen dem alten Medium. In den letzten drei Jahren investierten nämlich allein vier westdeutsche Musikfirmen einige hundert Millionen Mark in die Plattenproduktion. Und die Millionen müssen wieder rein: Darum klebt die Branche an der Platte.
Schon einmal, bei der Umstellung von der zerbrechlichen Schellack-Scheibe mit 78 Umdrehungen pro Minute auf die unzerbrechliche 33er PVC-Longplay, leistete die notorisch konservative Musikindustrie verbissen Widerstand. Einige Jahre weigerten sich die Top-Manager von Weltfirmen wie RCA und EMI, die LP anzuerkennen, nur weil sie bangten, auf Bergen von unverkäuflichen Schellacks sitzen zu bleiben.

Jetzt, mit der in Massen gefertigten Kompaktkassette, tritt die Tonaufzeichnung ins elektronische Zeitalter ein. Die Auswirkungen für die Freizeitkultur, für Musikproduktion und Musikgeschäft, sind noch unübersehbar. Denn erstmals in der Geschichte ist der Klangkonsument von der Handelsware relativ unabhängig. Mit der Kompaktkassette bestimmt er sein eigenes Programm.
Fast unbegrenzt kann die “MusiCasette” (so die Branchen-Schreibweise) bespielt werden – mit bis zu zwei Stunden Spieldauer pro Band. Und die Musik kommt aus der Luft. Ein Knopfdruck am Radio-Recorder, und schon ist ein Schlager aus dem Äther auf der Kassette für lange verfügbar. Ein Klang-Supermarkt zum Nulltarif: Leichter war das Mitschneiden noch nie. In westdeutschen Schulklassen ist es zur Regel geworden, nur noch eine einzige Platte zu kaufen, die sämtliche Schüler kopieren. In Tageszeitungen bieten Recorder-Amateure bereits an, jedwede Kassetten-Überspielung gegen geringes Entgelt vorzunehmen.
Branchenkenner schätzen, dass in der Bundesrepublik rund 10.000 gewerbsmäßige Schwarzkopierer den Tonträgermarkt unterlaufen. Vor allem aber Tonband-Piraten, namentlich in Italien, haben mit Billigangeboten in Millionenauflage 1976 die westdeutschen Tonträger-Firmen um ihre Rendite gebracht. Mehr als eine Milliarde Mark ging der deutschen Musikbranche im vergangenen Jahr durch Leerkassetten und Piraterie verloren.
Das hat für die Musik-Szene fatale Folgen. Solange Komponisten, Texter, Verleger und Plattenfirmen mit Schlagern, Jazz, Rock und Klassik Geld verdienen, kann neue Musik produziert werden. Versiegt der Verkauf von bespielten Kassetten und Schallplatten, weil der Konsument allen Schall aus dem Äther umsonst konservieren kann, sind keine Mittel für Neuaufnahmen mehr da.

Die Offensive der Leerkassette hat indes erst begonnen. In den Elektroniklabors werden neue Bandlegierungen und Aufnahmetechniken erprobt, die das Kassettensystem der Schallplatte nicht nur ebenbürtig, sondern weit überlegen machen werden.
In diesem Jahr noch bringen die Firmen MCA und Philips in den USA Geräte auf den Markt, in denen Bildplatten berührungsfrei durch einen Laserstrahl abgetastet werden. Eine versiegelte Schutzschicht macht diese Video-Longplay (VLP) möglich.
Auf der Kassette übertragen wird das Laser-System (LACS) die bisherige Abspieltechnik revolutionieren. Und immer mehr Leerkassetten kommen auf den Markt. Eine klanglose Zukunft ist das Menetekel. Wenn die Musikindustrie ihre wirtschaftlichen Probleme heute und morgen nicht zu lösen vermag, wird es übermorgen bei aller Super-Technik kaum mehr produzierte Musik geben, die überspielt werden kann.

 




Adolf ins Kino!

Als sich Walter Moers 1998 mit “Adolf. Äch bin wieder da!” mit einen Comic über Hitler lustig machte und 2006 sogar ein kurzer Film  veröffentlicht wurde, ging die Diskussion wieder los: “Darf man über Hitler lachen?” Mittlerweile wurde der selbsternannte Führer aber so oft parodiert, dass man mit dem Fragen gar nicht mehr nachkommen würde.
Jetzt steht ein neues Werk ins Haus: “Adolf – Er ist wieder da” von Blondie-Productions wird die ultimative Wahrheit über den Mann mit dem unverwechselbaren Schnurrbart!

Das Besondere: Um den Kinofilm produzieren zu können, wird er bereits im Vorfeld verkauft. Fans haben die Möglichkeit, sich mit knapp 10, 20 oder 50 Euro zu beteiligen und so zur Finanzierung beizutragen. Falls die nötigen Finanzen nicht zustande kommen, gibt es das Geld zurück. Wenn doch, erhalten die Fans den Film als Download und – je nach bezahltem Betrag – als DVD oder BD, eine Adolf-Figur und die Nennung des eigenen Namens im Filmabspann.

Mehr Informationen unter www.adolf-online.com
Dort findet man auch ein Interview mit dem Föhrer.

Hier schon mal ein Trailer:




Live von der Grenze Israels zum Gazastreifen

Vor einigen Tagen begann die israelische Armee auf die Hunderte von Raketen zu reagieren, die in den vergangenen Monaten von der Hamas in Gaza abgeschossen wurden. Die Weltöffentlichkeit hat sich bisher vornehm zurückgehalten, erst jetzt, wo Israel zurückschlägt, beginnen die üblichen Verdächtigen zu mahnen. Diese Doppelmoral ist den Menschen in Israel längst bekannt.
Tag und Nacht sind die Reporter der ARD vor Ort, sie berichten ständig in Radio- und TV-Schalten nach Deutschland, aus Tel Aviv, von der Grenze und manchmal sogar aus Gaza. Die Journalisten dort schreiben auch ein Blog, in das sie nicht nur ihre gesendeten Beiträge stellen, sondern auch darüber hinaus gehende Informationen und Gedanken. Und sie lassen uns an ihrem derzeitigen Arbeitsalltag teilhaben:

“Was ist Luxus? Die Antwort ist in solchen Zeiten ganz einfach: im eigenen Bett schlafen zu können, den Morgenkaffee zu genießen, ehe es wieder raus geht, in den Süden.
Wer weiß, wie sich dieser Konflikt noch entwickelt, ob ich in den nächsten Tagen und möglicherweise Wochen immer im eigenen Bett schlafen kann oder ich sonstwo sein werde.  Und mittlerweile kommt noch eine andere, neue Frage dazu: Da ich im Süden Tel Avivs lebe und eine der Raketen, die auf die Stadt abgefeuert wurde, in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung heruntergekommen ist, kommt so langsam auch die Frage auf, ob ich abends, so ich denn heim komme,  mein Zuhause noch vorfinden werde…
Sicher, im Augenblick ist die Frage ein wenig übertrieben, denn wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht wirklich daran, daß etwas geschehen kann. Aber warum glaube ich nicht dran? Weil ich nicht dran glauben w i l l? Weil ich versuche, solch einen Gedanken schlicht zu verdrängen, weil dies bedeuten würde, daß wir hier einen Krieg in noch nie dagewesener Form erleben würden, wenn meine Wohnung in Tel Aviv ernsthaft so gefährdet wäre, daß ich ernsthaft Angst haben müßte, daß ich abends möglicherweise zu einem Trümmerhaufen zurückkehren könnte? Ich kann mich erinnern, wie das war, damals im Golfkrieg 1991, als die Scud-Raketen auf Tel Aviv fielen.  Das war die bislang größte Bedrohung für die Stadt Tel Aviv, es wurden Wohnungen, Häuser zerstört… aber irgendwie hatte man sich daran gewöhnt und nahm – allerdings erst nach Tagen – die Möglichkeit, Tel Aviv könnte ernsthaft gefährdet sein, nicht mehr wirklich ernst. Oder ist diese Vorstellung, meine Wohnung könnte ein Trümmerhaufen sein schlicht übertrieben, weil die Islamisten in Gaza, egal wieviel Raketen sie vielleicht noch haben, gar nicht in der Lage sind, Tel Aviv ernsthaft zu gefährden? Weil wir hier eine ungleichen, asymetrischen Krieg erleben?”
Weiter…

ARD-Blog aus Israel




Berliner Zeitung verkauft ihre Glaubwürdigkeit

Eigentlich sollte eine seriöse Tageszeitung ein Produkt oder eine Firma nicht über Maß loben, ansonsten gerät sie schnell in den Verdacht der Schleichwerberei. Die “Berliner Zeitung” sieht das offenbar anders und hat gestern dem iPad von Apple nicht nur zwei volle Seiten geschenkt (eine davon sogar unter dem Rubrikennamen “iPad”), sondern auch noch die Aufmachermeldung auf der Titelseite. Es war keine Reklame in der Form “Kaufen Sie das iPad”, sondern versteckt in der Ankündigung, die Zeitung nun auch dort lesen zu können. Und zwar NUR auf dem iPad, Angebote für andere Systeme gibt es zunächst nicht. Es ist die klassische Schleichwerbung, die in diesem Fall besonders penetrant daher kommt, auch weil man dieses Angebot eben nicht auf den Produkten anderer Firmen nutzen kann.

Unklar ist, ob die Reklame für das Apple-Produkt bezahlte Werbung ist, jedenfalls ist sie nicht als solche gekennzeichnet. Aber die Vermischung von Produktwerbung und redaktionellem Inhalt ist zutiefst unseriös, ebenso wie den Ausschluss der Leser, die ein anderes Tablet nutzen, als das des Konzerns Apple.




Ein Zoom auf die Oranienstraße

Vor zwei Monaten hatte ich ja von Gesprächen mit zwei jungen Absolventen der Axel-Springer-Akademie berichtet. Zusammen mit anderen Studenten haben sie nun ihr Projekt zur Oranienstraße in Kreuzberg fertiggestellt. Herausgekommen ist ein erstaunlich interessanter Blick auf die Geschichte und Gegenwart der Straße. In Dutzenden von Video- und Textbeiträgen wurde ein wirklich tolles Bild dieser Straße gezeichnet. Das folgt keiner Chronologie, sondern man klickt sich durch die Themen und bleibt unweigerlich ständig an Videos hängen, die man nun gerade nicht gesucht hatte. Das ist aber kein Nachteil, sondern macht es spannender.

Thematisch haben die Jungjournalisten weit ausgeholt. Vom 19. Jahrhundert mit dem Luisenstädtischen Kanal geht’s los, die Zeit der Autobahnplanung, der Hausbesetzungen in den 1980ern und dann natürlich die Oranienstraße heute. Dazu gibt es viele kurze Interviews, in denen Menschen zu ihrem Leben und Arbeiten rund um den Kiez befragt werden. Andere beschreiben Ihre Wünsche, wie sich die Straße ändern sollte.
Da ist die alte Dame, die ihre Zeit als Kind direkt nach dem Krieg beschreibt. Der türkische Sozialarbeiter (den ich selbst noch vor 30 Jahren als Jugendlichen kannte). Der Blick in’s Café Luzia, das früher eine Leiser-Filiale war: In dem Beitrag wird der Leiser-Enkel aus Israel per Video zum Gespräch dazu geschaltet. Die Erinnerungen einstiger Hausbesetzer und eines Polizisten. Die deutsch-türkische Gayhane-DJane Ipek. Der weißrussische Pudel, der nur türkisch versteht. Türken und Gentrifizierung und Schwule und Punks und Ommas. Ein Beitrag zeigt auf der Oranienstraße, was Blinde sehen.

Mich interessiert natürlich der Geschichtsteil am meisten, in dem ich noch einiges erfahren hatte, was ich bisher nicht über die Oranienstraße wusste. Auch dass für das Interview mit mir, das ja ohne Kamera stattfand, extra ein Comics im Graphic-Novel-Stil gezeichnet wurde, finde ich klasse.
Ein bisschen fehlt mir in diesem Bereich aber ein begleitender Text, der die Geschichte der Straße chronologisch beschreibt, so dass man die viele Beiträge besser einordnen kann. Vor allem der westliche Teil der Oranienstraße wird da ziemlich vernachlässigt.
Trotzdem kann ich allen, die die Oranienstraße nicht aus eigener Erfahrung kennen, nur raten, sich ein bisschen Zeit zu nehmen und auf der Website durch die vielen Beiträge zu klicken. Und wer sie kennt, sollte erst recht reinschauen, denn sowohl die Darstellung, als auch die Beiträge sind es wert.

Zoom Berlin: Oranienstraße




DSDS-Fake

Dass die sogenannten Superstars des RTL-Machwerks “Deutschland sucht den Superstar” nur gefakt sind, ist klar. Superstars sind Leute die wirklich etwas können und damit Erfolg haben, wie Paul McCartney, Freddie Mercury oder auch Peter Fox. Bei DSDS werden sie verheizt und der Lächerlichkeit preisgegeben, weil sie sich die Hoffnung machen, über diese Sendung berühmt zu werden.
Eine Jury wählt aus Tausenden Anwärtern diejenigen aus, die dann im Fernsehen einen Auftritt zeigen dürfen und sich dort nicht selten zum Seppl machen. Und die oft in aller Öffentlichkeit gemobbt werden.

Zum Schluss sind es dann angeblich die Zuschauer, die den “Superstar” küren. Und zwar, indem sie zu Zehn- oder gar Hunderttausenden eine Hotline anrufen, was jedes Mal 49 Cent kostet.
Blöd nur, wenn dann ein Fehler passiert und der Gewinner der Staffel schon Tage vor der Sendung bekannt gegeben wird. So wurde auf der Ticketseite von RTL am Mittwoch tatsächlich der Schönling Daniele Negroni als “neuer Superstar” angekündigt, der in einem “packenden und hochemotionalen Finale zu Recht” gewählt wurde. Wie kann das sein, wenn diese Wahl doch erst am kommenden Samstag stattfindet?
RTL stellt das als technischen Fehler hin – das war es bestimmt, denn die Seite sollte ja erst nach der “Wahl” online gehen. Peinlich.




Videoblog aus Israel

Man kennt das Gesicht aus der Tagesschau, wenn es einen Anschlag oder ein Raketenbeschuss gab. Man kennt auch die Stimme aus dem Radio, wenn er von der israelischen Politik berichtet. Vier Korrespondenten der ARD bilden das Rückgrat des Studios Tel Aviv. Schon seit zwei Jahren berichtet Richard Schneider wöchentlich im Tagesschau-Videoblog über Israel und Palästina, so wie es dort auch Blogs von Korrespondenten aus Istanbul gibt, aus Prag, Wien oder New York.

Es sind Reportagen über politische Themen, aber auch den Alltag der Menschen in diesen Städten und Ländern. Im Israel-Palästina-Blog ist die Politik fast immer dabei, weil sie so viel mehr präsent ist, als in anderen Gegenden der Erde. Der große Nahost-Konflikt lässt sich nicht ausblenden.
Und doch kommt er oft nur am Rande vor, wenn Schneider oder jetzt auch täglich seine Kollegen berichten. Wir erfahren von dem deutschen Dorf in Tel Aviv, in dem einst Hakenkreuzfahnen gehisst wurden. Von alten überlieferten Festen und Bräuchen, von Architektur und der Jugendszene. Von einer Suppenküche in Hebron und Benediktinerinnen auf dem Ölberg.
Dann aber wieder ist man live dabei, wie während einer Reportage in der Nähe Raketen einschlagen, die in Gaza abgeschossen wurden. Oder in einem palästinensischen Dorf, in dem die Straße aufgerissen wurde, weil die israelische Armee das nun mal so möchte. Oder beim Kauf von Gasmasken im Baumarkt, weil man sich auf einen iranischen Angriff vorbereitet.

Die Videoblogs bringen uns nahe an das Leben der Menschen in Israel, dem Westjordanland, den Golanhöhen. Und dann und wann versucht vor allem Richard Schneider die Situation zu reflektieren, in der das Land und die Gegend steckt. Er erklärt, warum man auch als Journalist nicht immer objektiv sein kann, denn dort gibt es keine Objektivität. Jede Situation birgt in Israel und Palästina mehrere Wahrheiten. Das Land, die Situation dort zu verstehen ist wohl nicht möglich. Die Videoblogs der Tagesschau und jetzt auch der ARD helfen dabei.
Absolut sehenswert: