Das Kloster der Dominikaner in Moabit

Mitten in der Berliner Innenstadt, versteckt in einer Seitenstraße, in einem Wohnviertel in Moabit, steht seit dem 19. Jahrhundert ein Kloster. Das katholische Dominikanerkloster St. Paulus ist selbst vielen Bewohnern des Stadtteils kaum bekannt, denn die Mönche, die hier Pater oder Brüder genannt werden, sind im Straßenbild nicht als solche zu erkennen.

Die Geschichte der Dominikaner in Moabit geht bereits auf das Jahr 1868 zurück. Damals richtete der Pater Ceslaus in einem Kesselschmiede in der Turmstraße das erste Kloster ein. Zuvor hatte der “Frauenverein St. Hedwig zur Verpflegung katholischer Waisen” das Gebäude gekauft und die nebenstehenden Wohnhäuser gleich mit. Dort, in der Turmstraße 44, wurde ein Waisenhaus eingerichtet.
Ein Jahr nach der Gründung des Klosters regte sich antikatholischer Widerstand in der Bevölkerung. Am 16. August 1869 versuchte eine gewalttätige Menge, das Kloster zu stürmen. Bei der Verteidigung durch die Polizei kamen zwei Menschen ums Leben, über 30 wurden verletzt, die Krawalle wurden als “Moabiter Klostersturm” bekannt. Die feindliche Stimmung nahm auch in den folgenden Jahren nicht ab. 1875 mussten die Mönche das Kloster letztlich schließen und verkaufen, für mehrere Jahre setzten sie ihre missionarische Tätigkeit verdeckt fort. Erst 1889, als der sogenannte “Kulturkampf” vorüber war, durfte das Kloster wieder eröffnet werden.

Das Unbill für St. Paulus ging jedoch weiter: Nachdem 1892 die Grundsteinlegung für das heute noch bestehende Kloster in der Oldenburger Straße stattfand, wurden kurz vor der Eröffnung 1893 in der Kirche die beiden Glocken gestohlen. Und auch sonst hatte man mit seinen Schäfchen so seine Probleme, wie in einer Bitte an den Bischof Kopp deutlich wird: “Zahlreiche Kinder sterben ohne die heilige Taufe dahin oder wachsen als Heiden auf, um die endlose Schar der Sozialdemokraten und Gottesleugner zu vermehren.”
1905 bis 1907 wurde der Ostflügel und das Gemeindehaus des Klosters an der Oldenburger Straße errichtet, im Folgejahr brannte der Dachstuhl der Kirche durch Brandstiftung ab.

Einen moralischen Tiefpunkt erreichte das Dominikanerkloster am 1. Mai 1933. Unter der Führung von drei Patres marschierte die gesamte Pfarrjugend zum Lustgarten, zur Kundgebung von Hitler und Hindenburg. Zu diesem Zeitpunkt war St. Paulus die größte katholische Gemeinde Berlins. Zehn Jahre später waren viele der Jungs tot, gefallen als Landser oder von den Fliegerbomben in der Heimat zerfetzt. Trotzdem wehte im Januar 1943 zum Pontifikalamt an den Türmen von St. Paulus neben den weißgelben Kirchenbannern auch die Hakenkreuzfahne. Nur wenige Monate danach waren große Teile des Klosters zerstört, allein am 24. Januar 1944 fielen 85 Stabbrandbomben und eine Phosphorbombe auf den Komplex, die Mönche konnten kaum noch etwas retten. Viele der dem Kloster angegliederten Einrichtungen wurden zerstört oder beschädigt. Wo noch ein Dach vorhanden war, wurden Ausgebombte einquartiert, das zerstörte Polizeirevier aus der Emdener Straße zog in die Räume des Waisenhauses.

Trotz des politisch äußerst fragwürdigen Standpunkts der Dominikaner, gab es unter ihnen auch einzelne, die den Nazis von Anfang an – und bis zum Ende – in herzlicher Ablehnung gegenüberstanden. Genannt sei vor allem Pater Odilo Braun, der immer wieder öffentlich gegen die Rassegesetze der Nazis und die Verfolgung Andersdenkender auftrat. Er organisierte einen antifaschistischen “Ausschuss für Ordensangelegenheiten” und baute eine innerkirchliche Kommunikation auf, die unabhängig von den Nazi-Anhängern funktionierte. Natürlich waren Brauns Aktivitäten den Faschisten ein Dorn im Auge, so dass die Gestapo am 27. Oktober 1944 das Kloster besetzte und durchsuchte, Olido Braun und seine Sekretärin wurden verhaftet. Er überlebte jedoch die Verhöre und wurde Anfang 1945 aus der Gestapohaft entlassen. Am 27. April stürmte die Rote Armee das Kloster und versuchen es auszurauben. Doch die Mönche und Gemeindemitglieder konnten die Soldaten herausdrängen.

Heute sieht der Alltag der Dominikanermönche friedlicher aus. Sie arbeiten als Seelsorger in den Gefängnissen der Stadt, als Dozenten an mehreren Hochschulen oder als Beauftragte für Sekten- und Weltanschauungsfragen. Das Collegium Dominicanum veranstaltet regelmäßige Veranstaltungen, in denen weltliche wie religiöse Themen behandelt werden. Es gibt sogar eine eigene Gruppe von Amnesty International im Kloster. Die Patres bieten Gesprächsrunden zu spirituellen Fragen und wenden sich immer auch nach außen, St. Paulus ist ein recht offenes Kloster. Den immerhin 5.000 Gemeindemitgliedern wird nicht nur konventionelle Kirchenarbeit geboten, sondern auch Freizeitangebote: Kinder finden hier ihren Garten, die Jugendlichen eine Pfadfindergruppe, Erwachsene mehrere Gruppen für Sport und andere Aktivitäten.

So hat sich das Dominikanerkloster St. Paulus doch noch in seiner einst feindlich gesinnten Umgebung durchgesetzt. Und einen erneuten Moabiter Kirchensturm hat es nun sicher nicht mehr zu fürchten.




3. Februar 1945: Die Zerstörung der Innenstadt

Es war der Vormittag des 3. Februar 1945. Nur noch die Dümmsten unter den Nazis konnten an ihren Endsieg glauben. Doch was an diesem Tag geschah, sollte auch ihnen die Augen öffnen. Es gab einen Bomberangriff auf die Innenstadt der Reichshauptstadt. Allerdings nicht irgendeinen sondern den dreihundertsten. Offenbar wollten die Alliierten dieses Jubiläum feiern, denn es wurde der schwerste Luftangriffe des ganzen Krieges auf Berlin.

Um 10.27 Uhr heulten die Luftschutzsirenen, um 11 Uhr tauchten die Bomber am Himmel auf. Er färbte sich dunkel, so viele waren es und sie hatten das Regierungsviertel im Visier. Von Westen kommend flogen 939 “Fliegende Festungen” der US Air Force immer die Spree entlang, ab Moabit war dann der Punkt, von dem ab die Ladung abgeworfen wurde. Durch ganz Mitte und Kreuzberg zog sich eine Schneise der Zerstörung bis nach Friedrichshain, 2200 Tonnen Sprengstoff zerstörten das Schloss und den benachbarten Dom, Bahnhöfe, Kaufhäuser, Kirchen und tausende Wohnhäuser. Selbst U-Bahnhöfe stürzten unter der Wucht des Angriffs zusammen, im Bhf. Weberwiese starben mehrere hundert Menschen, die dort Schutz gesucht hatten.
Der Angriff dauerte nur 50 Minuten, aber er kostete etwa 25.000 Menschen das Leben. Die meisten von ihnen wurden unter den zusammenstürzenden Gebäuden begraben, von vielen blieb nichts zurück. Die Kraft der Bomben und des Feuers war stärker. Mehr als 120.000 Menschen verloren an diesem Tag ihre Wohnung, die Schneisen, die der Angriff schlug, sind zum Teil heute noch zu sehen. Um die Leipziger Straße, die Oranienstraße, den Alexanderplatz und die Wilhelmstraße hielt kaum ein Haus den Bomben stand. Die Charité wurde getroffen, das Rote Rathaus und die Staatsoper. Zerstört wurden auch die Museumsinsel, die Neue Reichskanzlei und mehrere Botschaften.

Wie viele hatten immer noch gehofft, dass es eine militärische Wende geben würde, dass die versprochene “Wunderwaffe” V2 das Kriegsgeschehen zu Gunsten der Wehrmacht umkehren würde. Vergeblich. Unter dem Beben der Einschläge wurde vielen endlich klar, dass dieser Krieg verloren war.
Wer die Katastrophe dieses Tages überlebt hatte, sah noch Tage lang brennende Häuser und völlig zerstörte Straßenzüge. Man muss heute mal mit offenen Augen vom Halleschen Tor kommend die Wilhelmstraße, Koch- und Oranienstraße entlang laufen, um das Ausmaß der Zerstörung zu begreifen. Komplette Häuserblöcke waren durch die Wucht zerstört worden, Straßenzüge über einen Kilometer hinweg zusammengestürzt. Bis zum Moritzplatz zogen sich die Flächen hin, manche sind noch heute unbebaut.

Der 3. Februar war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Stadt. Zwar folgen noch zehn Wochen lang weitere Angriffe aus der Luft, am 26. sogar ein noch größerer. Wer aber den 3. Februar überlebt hatte, wollte nur noch die restlichen Wochen herum bringen.
Zehn Tage nach dem Bombardement stand Dresden auf der Liste. Dort starben in der Nacht zum 14. Februar mehrere zehntausend Menschen, weil die britischen Phosphorbomben einen Feuersturm entfacht hatten – ein Schicksal, das Berlin erspart geblieben war.

Foto: Bundesarchiv, Jerusalemer/Zimmerstraße




Geschichtspark Moabit

Vor zehn Jahren, am 26. Oktober 2006, wurde gegenüber des neuen Hauptbahnhofs der Geschichtspark “Ehemaliges Zellengefängnis Moabit” eröffnet. Nach drei Jahren Bauzeit entstand aus der einstigen Lagerstätte des Tiefbauamts ein Gedenkort, der vor allem aus der einstigen Gefängnismauer besteht. Im Inneren sind alle Gebäude, also das einstige Gefängnis, verschwunden, abgerissen 1958, nachdem die Alliierten das Gefängnis noch zehn Jahre genutzt hatten.

Das Zellengefängnis Lehrter Straße war als eines der berüchtigsten Knäste Berlins bekannt. Doch seine schlimmste Zeit hatte es nicht in den ersten hundert Jahren (Bauzeit 1842-1849), sondern während der Zeit des Nationalsozialismus. Anfangs galt es nämlich noch als Mustergefängnis für Preußen: Nach einer von Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen eingeleiteten Gefängnisreform sollten die Gefangenen nicht länger in Gemeinschaftszellen, sondern isoliert in ca. 520 Einzelzellen untergebracht werden. Einer der bekanntesten Insassen war Wilhelm Voigt, der einstige “Hauptmann von Köpenick”. Nach der Machtübernahme der Faschisten wandelte sich das Gefängnis zum Symbol für politische Unterdrückung, Folter und Mord. Zahlreiche Systemgegner wurden dort inhaftiert, u.a. Wolfgang Borchert, Ernst Busch und Alfred Haushofer, der hier seine “Moabiter Sonetten” verfasste. Wenige Tage vor der Befreiung vom NS-System wurde er mit anderen Nazigegnern nachts vom Gefängnis zum nahen Ausstellungsgelände ULAP gebracht und dort erschossen.

Im Geschichtspark werden die Ausmaße des Baus durch Steinreihen gekennzeichnet, auch die Form und Größe der Höfe sind nachvollziehbar. Eine Zelle wird in ihrer ursprünglichen Größe durch Betonwände nachgebildet. Wer sie betritt startet ein akustisches Feature, mit einem Beitrag über Haushofer und die Haft in diesem Gefängnis.

Das Gelände ist nach außen abgeschlossen, zu drei Seiten steht die alte Gefängnismauer, teilweise saniert. Und obwohl der Hauptbahnhof mit der lauten Invalidenstraße dazwischen nur 200 Meter entfernt ist, ist es im Geschichtspark seltsam ruhig, jedenfalls gefühlt.
Merkwürdig auch, dass sich im stark bewachsenen Teil eine Kletterwand befindet, die irgendwie deplatziert wirkt.
Die meisten Menschen, die man im Gedenkort sieht, sind auch gar keine Besucher. Sie nutzen ihn nur zum durchqueren, wenn sie aus der Lehrter Straße zum Bahnhof wollen.
Informationstafeln zum Geschichtspark finden sich am Eingang in der Invalidenstraße. Sie klären auf Deutsch und Englisch über die Geschichte dieses Ortes auf.




Aktion für einen Gedenkort

Ein 5 Meter breites und knapp 2 Meter hohes Schild weist seit gestern Abend die Autofahrer in der Moabiter Ellen-Epstein-Straße sowie die vorbeifahrenden Bahn-Fahrgäste darauf hin, dass sie sich genau an dem Ort befinden, an dem die meisten Berliner Holocaustopfer ihre letzte Reise begannen. Das Schild wurde errichtet von der Initiative “Sie waren Nachbarn”, die so darauf hinweisen möchte, dass hier trotz jahrelanger Bemühungen noch immer kein Mahnmal errichtet wurde.

Im Juni wird nun der Stiftungsrat der Lottogesellschaft darüber entscheiden, ob er die Finanzierung des Gedenkortes übernimmt. Da der Regierende Bürgermeister Müller Vorsitzender des Stiftungsrats ist, hat die Initiative einen Offenen Brief an ihn geschrieben. Außerdem gibt es eine Online-Petition, die ebenfalls dazu aufruft, das Geld für den Gedenkort zur Verfügung zu stellen.

Mehr Informationen: www.sie-waren-nachbarn.de
Bitte unterstützen Sie die Online-Petition:
petition.sie-waren-nachbarn.de




Der Sandkrug am Weinberg

Es gibt heute nichts mehr, was daran erinnert, dass es in Moabit mal einen Weinberg gab. Und doch befand sich auf dem Areal des heutigen Humboldthafens, direkt am Hauptbahnhof, der “Hohe Weinberg”.

Der Weinberg war ursprünglich Eigentum von Johannes Agricola Eisleben, einem Mitarbeiter Martin Luthers. 1698 überließ ihn Kurfürst Friedrich III. dem Hugenotten Menardié. Der Hohe Weinberg war ein beliebtes Ausflugsziel für die Berliner, auf dessen Gipfel sich auch ein Ausflugslokal befand. Von dort hatte man eine weite Aussicht über über die nahe gelegene Pulvermühle und die Jungfernheide – die gleiche, die in den Jahrhunderten danach bis zum heutigen Kurt-Schumacher-Damm abgeholzt wurde und auf die in Moabit nur noch der Name Waldstaße hinweist.

Am Fuß des Weinbergs befand sich der Gasthof Sandkrug. Im 18. und 19. Jahrhundert war er ein beliebtes Ausflugsziel vor den Toren Berlins. Er verfügte auch über einen Garten zur Bewirtung der Gäste im Sommer. Der Bühnendichter Carl August Görner verfasste mit Blick auf den Gasthof ein Stück für eine Dame mit Gesang und Tanz in einem Akt als Lustspiel “Gustchen vom Sandkrug”.

1713 entstand die erste Brücke über den neu angelegten Schönhauser Graben. Als dieser ab 1848 zum Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals ausgebaut wurde, trug man den Weinberg ab, an dessen Stelle entstand um 1850 ein Schmuckbassin. Zwischen 1855 und 1859 erfolgte durch den Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné der Umbau zum Humboldthafen mit Ladestraßen und Flächen für den Güterumschlag. Im Zuge dieser Baumaßnahmen wurde der Gasthof Sandkrug abgerissen. An ihn erinnert heute nur noch der Name Sandkrugbrücke.




Die Armut kommt in die Städte, aber wir wollen sie nicht sehen

Mittwoch Nachmittag fand ich den Weg zum Hauptbahnhof hinter der Lehrter Straße 6 von Backsteinen und Holzbalken versperrt. Was ist passiert?
Heute ist das alte knapp hinter der Mauer zu den Kleingärten stehende Backsteinhäuschen abgerissen worden. Seit vielen Jahren haben hier immer wieder Obdachlose eine zeitweilige Bleibe gefunden. Im Niemandsland. Seit einiger Zeit campierten Familien dort und erweiterten die Behausung mit einigen Zelten. Sie sollen von einem anderen Bahngelände vertrieben worden sein. Das Essen wurde auf einem Grill zubereitet. Abends loderte ein kleines Feuer. Die Müllhalde allerdings ist auch größer geworden.
Ich liebe diesen Weg und gehe hier gerne. Ein bisschen Wildnis in der Großstadt. Nie habe ich mich unwohl dabei gefühlt. Auch die letzten Bewohner grüßten freundlich zurück. Vielleicht war es nicht immer so friedlich. Die Einbrüche in die Lauben der Kleingärtner auf der anderen Seite der Mauer haben zugenommen in den letzten Jahren. Aber das werden wohl kaum diejenigen machen, die direkt nebenan wohnen.
Auch beim Mittelbereich Lehrter Straße wurden die Lauben, sofort nachdem die Kleingärtner sie verlassen mussten, abgerissen und ein Jahr später die Sanddornbüsche und Pappeln gerodet, nachdem sich auch hier Menschen in kleinen selbstgebauten Hütten und Zelten, versteckt vor der Öffentlichkeit, angesiedelt hatten. Dennoch: es wird sich nicht vermeiden lassen, dass ungenutztes Gelände, ungenutzte Gebäude bewohnt werden von denen, die keine Wohnung haben. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, auch wenn es nicht jedem gefällt.

Susanne Torka




Elif: Nichts tut für immer weh

Man kann ihre Musik mögen oder nicht: Interessant ist sie allemal. Die 20-jährige Sängerin Elif stammt aus Moabit und hat jetzt ein sehr schönes Video zu ihrem neuen Lied “Nichts tut für immer weh” veröffentlicht. Darin werden einige Moabiter Urgesteine vorgestellt, die Kneipenwirtin, der Buchhändler, der Gemüsehändler, der Erzieher und andere, die jeweils ihre Erfahrung mit Schmerz erzählen. Sehr sehenswert!




Sich Moabit reinziehen

An der Turmstraße, vor Hertie, der Heilandskirche gegenüber, heraus aus der U9 an die Sonne dieses Märzsonnabends. “Na, das Wetter genießen?” hatte mich der Nachbar vorhin begrüßt; das Wetter, die Menschen, die Stadt. Ein Ziel muss man haben. Machen Sie das auch so, liebe Leser/-innen: “Heute sehen wir uns mal (zum Beispiel) die Messel-Häuser in der Sickingenstraße an…”, was immer es unter diesem Titel zu erwarten gibt, dann trödeln Sie los! Und sind es von Anfang an zufrieden. Bei Stadtspaziergängen sind die Ziele nicht verbindlich und die Ergebnisse auch nicht, wenn dieses Wort hier überhaupt am Platze ist.
Nordwärts die Jonasstraße. Die Arminiusmarkthalle steht platzig zwischen den Straßen wie sonst Kirchen; Gott und Konsum, Erzeugnisse des Himmels und der Erde. Das Hinein und Heraus der Leute, mit leeren und vollen Taschen, die Versorgungsaufregung, die Sonnabend-Nachmittagsvorfreude, die Abenderwartung mit Sportstudio und der Bundesliga. Das kleine Sträßchen zwischen Turmstraße und Alt-Moabit, an dem die Heilandskirche steht mit überschlankem 87-Meter-Turm, heißt Thusnelda-Allee: Thusnelda, die ihren Vater, den Römerfreund, verließ, um Armin, den Römerfeind, zu heiraten, ehe sich ihr Schicksal irgendwo im römischen Reich in Melancholie verlor: als Friedrich Schulze, der Staatsbaumeister, 1892 die Kirche baute, waren “Arminius” und “Thusnelda” gewiss eine Benennung, bei der sich das Volk zwischen Heiland und Markthalle was denken sollte.

Am Café Klatsch in die Bremer Straße. Die Verkehrsschule bildet dort einen bepappelten Platz; auf den Bänken und um sie herum sammeln sich Gruppen türkischer Männer. Oder sind es Kurden? Müssen wir das jetzt unterscheiden? Kriegen wir das nicht hin, uns und allen eine Umwelt zu schaffen, in der Menschen Menschen sind und nicht Passträger? Weder nach ihrer Haarfarbe noch nach ihrem Gott rechtlich zu unterscheiden?

Die Freiflächen zwischen den hohen Häusern hier sind ja nicht übriggelassen, sondern hineingeschlagen, eingebombt. Weiß man das noch? Weiß man (zum Beispiel) noch, dass der Park, der sich von der Wiclef- zur Unionstraße hinstreckt – beinahe möchte ich sagen: ein Berliner Spitzenort, eine städtische Erstklassigkeit – Hof war, Höfe, enge Häuserschluchten? Der Krieg als Städtesanierer, die Zerstörung als Aufbauhelferin … um Gottes willen! So dachte Nazi-Speer, der Generalbauinspektor, der Weltreichsträumer, der Menschenvernichter, der hernach auch noch mit der halben Einsicht großbürgerliche Millionen machte. Die Tatsachen einfach zur Kenntnis nehmen, nicht bewerten? Gut! Das war der Bombenkrieg und daraus ist eine Stadtfreifläche geworden, die mit einem Schnitt durch die Hinterhöfe der Not und des Wohnungselends Licht und Luft bringt in das Gebliebene und es zu einem Museum der Vergangenheit macht, dessen Lehre man im gleichen Augenblick vergessen kann, in dem sie erteilt wird. Gedächtnis und Erinnerung sind zweierlei.

In der Wiclefstraße haben meine Tochter und meine Nichte gewohnt; der Kater sprang aus dem Fenster, wollte er sich das Leben nehmen? Bei diesen netten Frauen doch nicht! Das war Übermut, Altersleichtsinn. Die Schaubühne vom Lehniner Platz hat hier unten ein Lager; im 20er-Jahre-Bau steht sie stolz da am Kudamm und sichert sich von hier hinten ab: wie die Stadt überhaupt; alle Großstadtdarstellung braucht ihre gesellschaftlichen Hinter-Höfe, sonst ist es Talmi und Beliebigkeit, die man wie die Musical-Produktionen auch auf einer Wiese bei Bottrop aufführen könnte.
Dem Leben einen würdigen Abschluss geben, Richard Stark Bestattungen, seit 1906; die Fassaden von Wiclef 48 und 49 sind sehenswert. So waren die benachbarten auch. Ein Zitat reicht. Es ist die Natur der Erinnerung, dass sie fragmentarisch ist. Es muss Platz sein für die Erfindung, die verändert, indem sie vervollständigt. Der Sinn der Geschichte ist nicht, die Gegenwart zu verstehen, sondern sie zu erziehen, Naja … das sind so Sätze. Volltönend genug für Kirchennachbarschaft. Reformationskirche. Von Jonas an waren schon viele Straßennamen reformiert, obwohl die Gegend in der Oldenburger Straße auch ein nachhaltiges katholisches Zentrum hat; viele, die hier wohnen, sind jedoch Muslime, und die meisten – denke ich sind kirchlich gar nichts mehr.

Mit der Reformationskirche schließt die Wiclef- an die Beusselstraße an und wird die Wittstocker. Vor der Tür der Reformationskirche steht der dicke Luther, eine große Bibel an sich pressend, auf den Schultern eines schmalen Engels, der auch noch Christi Wappen tragen muss. Laden die Menschen dem Himmel nicht zuviel auf? Die Kneipe gegenüber heißt “Zum schönen Schluck Berlin”. Es gibt wirklich schöne Schlucke von Berlin hier, und wenn das Adjektiv vielleicht nicht gerade das richtige ist und auch das Substantiv nicht passt, dann sagen wir … na, was denn? Ich habe keine Zeit, das länger zu überlegen:
“Und was ham wir festgestellt?” fragt nämlich der Ohrringige, der in der Tür steht und beobachtet hat, wie ich die Schöningsche Wasserpumpe betrachtet und mich gewundert habe, dass sie die Jahreszahl “1978” trägt. Der Mann kennt die Pumpe seit seiner Jugend und, weil ich ein Notizbuch in der Hand habe, befürchtet er, dass ich einer bin “von denen, die alles abreißen wollen”.
“Wass iss das für einer?” fragt sein Kollege, der aus der Kneipe kommt, weil er wohl denkt, der Kumpel braucht Hilfe.
“Mann, der zieht sich Moabit rein und wie!” sagt der erste, dem ich erzählt habe, dass Messels Doppelhaus in der Sickingenstraße Nr. 7/8 mein Ziel ist. Dass das fast die ersten architektonischen Versuche sind, den Arbeiterwohnungsbau zu verbessern, ist ihm neu. Die innen wie außen eindrucksvollen Häuser des Berliner Spitzenarchitekten sind von 1893-95, so alt also wie vorhin die Heilandskirche. Erstes Vorhaben des nachher berühmten Berliner Spar- und Bauvereins. Aber nur 1- und 1 1/2-Zimmer-Wohnungen. Für Arbeiterfamilien war das doch nichts. Aber gleichwohl: der große Messel – damals war er vielleicht noch gar nicht so groß wie er nach Kaufhaus Wertheim, AEG-Verwaltungsgebäude, Pergamonmuseum schließlich wurde machte der Zeit was vor. Mit den breiten schlossigen Treppenhäusern demonstrierte er den Bewohnern, dass sie sich Selbstbewusstsein ebensogut leisten konnten wie andere.
Ich kenne Alfred Messel gerade wenig genug, dass ich ihn bewundern kann. Ich bewundere gerne. Nur Politiker nicht. Rosa Luxemburg vielleicht. Aber eher bemitleide ich sie. “Deutschland denken heißt Auschwitz denken” steht am Jugendclub in der Renaissance-Imitat-Villa an der Rostocker Straße, durch die ich jetzt heim gehe. Die Stadtbibilothek heißt nach Kurt Tucholsky, auch gut, er ist nicht weit von hier geboren, in der Lübecker Straße. Tucholsky bewundere ich auch; so möchte ich schreiben können. Aber am Ende hielt er nichts mehr vom Schreiben und überhaupt vom Leben nichts mehr.

Durch die Hutten-, dann Turmstraße durchquere ich das lebhafte multikulturelle Quartier U-Bahnwärts. Der schmale Platz vor dem Rathaus heißt nach Mathilde Jacob. An der Rathauswand steht über gelben Was-denns ein anrührend unsentimentaler Text über die Daten ihres Lebens und ihres Todes. Vertraute von Rosa, Sozialdemokratin, Kommunistin, Jüdin, von Deutschland ermordet, Theresienstadt. Es reicht nicht, Auschwitz zu denken, wenn man Deutschland denkt. Das muss man sich auch reinziehen, wenn man sich Moabit reinzieht. Ohne das ist kein deutsches Frühlingswetter zu haben.

Aus: Spaziergänge in Berlin (1990er Jahre)




Der Rost der Erinnerung

Die Stadtgegend, die man schnell erreicht, wenn man vom Stadtbahn-Bahnhof Tiergarten die Straße Siegmunds Hof nordwärts geht und über den Wullenwebersteg die geschwungene Spree überquert, ist eine ruhige, gesetzte Gegend. Sie besteht aus Häusern, die die Kriegsbomben stehen gelassen haben und solchen aus einer Zeit, in der man sich um das Schminken des Stadtgesichts keine Mühe gab, sondern zufrieden war, wenn die Wunden verbunden waren.
Die Straßennamen schildern in vielen Fällen nicht die Erinnerungen der Stadt, sondern die historischpolitischen Vorlieben jeweiliger Maßgeblicher. “Synagogenstraße” oder “Straße der Verfolgung” heißt die Levetzowstraße jedenfalls nicht oder die Jagowstraße. So könnten sie heißen; denn die aus der gegenständlichen Wirklichkeit verschwundene Synagoge an dieser Straßenecke war eines der Sammellager, von dem aus Deutsche andere Deutsche zur Ermordung abtransportierten.

An dieser Stelle stehe ich jetzt. An dem Mäuerchen gegenüber der Aral-Tankstelle hängen vier verwelkte Kränze: der rechte mit grün-goldener Schleife von den Bündnisgrünen; die beiden mittleren vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses und vom Regierenden Bürgermeister; der linke von der Kleist-Schule, die der leeren Stelle benachbart ist.
Die Synagoge, die hier nicht mehr steht, war gebaut 1912 bis 1914 vom Gemeindearchitekten Johann Hoeninger; gerade vor dem ersten Weltkrieg, dem gegenüber sich die meisten jüdischen Berliner als angepasste Deutsche erwiesen. Die Synagoge war ein mächtiger Bau, fast fünfzig mal fünfzig Meter, die dorischen Säulen überragten die Geschosse bis zum hohen Mansardendach, zur Jagowstraße schlossen sich Gemeinde- und Wohnhaus an; dreischiffiger Innenraum, umlaufende Empore, zweitausendeinhundert Sitzplätze, monumentale Orgel. Nun ist hier ein Kinderspielplatz; er ist an diesem Februar-Freitag gut bespielt; man hat guten Blick auf die Balkone der ocker-braunen Wohnanlage in der Agricolastraße. Von dort konnte man also gut beobachten, wie die Synagoge 1938 brannte, wie 1941 bis 1945 die Juden hier zusammengetrieben wurden, wie das Gotteshaus 1945 zerstört und 1955 abgerissen wurde. Aber natürlich konnte man das von anderer Stelle ebensogut sehen. Es gibt allerdings Aussagen von damaligen Schülerinnen der Kleist-Schule, die gar nichts gesehen haben; andere sagen, die Levetzowstraße sei überhaupt abgesperrt gewesen, man kam angeblich gar nicht an die Synagoge ran. Andere kamen zwar rein, aber konnten nicht helfen. Direkt an dem Kinderspielplatz, so dass die hütenden Mütter sie gut lesen können, steht eine große Tafel aus Cortenstahl, die die Vernichtungstransporte aufzählt; davor ein Güterwagen mit marmornen Kunstsymbolen für die hineingepressten und hineingetriebenen Menschen. Ein umstrittenes Denkmal, steht in dem Handbuch; ein eindrucksvolles Denkmal, denke ich; ein eindrucksvolleres, denke ich dann, wäre die Ruine selbst, wenn man stehen gelassen hätte von der Synagoge, was Nationalsozialismus und Krieg übriggelassen hatten und wenn die Christen mit dem jüdischen Gotteshaus getan hätten, was sie am Breitscheidplatz mit einem zerstörten christlichen Gotteshaus getan haben. Aber die demokratisch gewordenen Christen, die Deutschen haben sich überhaupt wenig Mühe gegeben, die Stätten der Opfer wenigstens als Denkmäler ihrer selbst zu erhalten. Unten, in den Boden eingelassen, ist hier an der Levetzowstraße ein Berliner Synagogenverzeichnis eisern zu lesen; vom Baumeister der Levetzow-Synagoge, kann man daraus auch entnehmen, ist eine andere Synagoge ziemlich vollständig erhalten: es ist die Synagoge in der Rykestraße; ein paar Jahre älter als die Levetzow-Synagoge, von der Straße zurückgesetzt, sich von der allgemeinen deutschen Aufmerksamkeit zurückziehend in einer “Wer-weiß-wer-weiß”-Gesinnung, zu der man hier in der Levetzowstraße kurz vor dem ersten Weltkrieg, vor dem selbst der antisemitische Kaiser “nur noch Deutsche” kannte, keinen Anlass mehr zu haben glaubte.

Zu Füßen der schräg aufragenden rostigen Stahlstele, durch die der Himmel die Daten und Zahlen des Massenmordes anzeigt, liegen die zerbrochenen roten Plastikschälchen, in denen die Lichter der Erinnerung zum letzten Gedenk-Anlass brannten. Kinder spielen die eiserne Rampe hinauf, über die sich die Opfer in der Vorstellung derer bewegen, die den bewegungslosen gefesselten Marmor zu lesen verstehen. Draußen brennen die Synagogen, auch das sind Gotteshäuser, hatte der für solche Sätze sein Leben einsetzende Dompropst Lichtenberg gesagt; ich weiß nicht, ob das in der Erlöserkirche am Ende oder am Anfang der Levetzowstraße auch ein Gottesmann gesagt hat. Ich will es in unser aller Interesse einfach annehmen.
Die Erinnerung und das Gedenken, ohne die das Land nicht besteht, brauchen Gegenständliches; keine Ästhetisierung des Grauens (wie zum Beispiel Stelenfelder, von denen der Bundeskanzler wünschen kann, dass sie schön seien). Die Güterwagen verrosten. Allerdings; die Erinnerung vergeht. Eine Zeitlang treten noch die Erinnerungsrepräsentanten auf; der einzige Kranz von denen dort, der zählt, ist vielleicht der der Kleist-Schule. Die Schule hält die Nachbarschaft aufrecht, die der Wirklichkeit gegenüber allerdings nicht geholfen hat. Nach einer gewissen Zeit ist alles Ploetz.

Aus: Spaziergänge in Berlin (1990er Jahre)




Gedenken an Deportationen – Ausstellung zerstört!

In Moabit wird den ganzen Monat über an die Deportationen der Berliner Juden erinnert. Über die Hälfte der Opfer wurden vom Moabiter Güterbahnhof in die Konzentrationslager deportiert.
In einem Schaukasten vor dem Rathaus in der Turmstraße hat die Initiative Sie waren Nachbarn eine Installation aufgebaut. Mehrere alte Koffer, Fotos und Kleidung wurden ausgestellt, auf der Rückseite sind über 1.800 Namen von Deportierten aufgelistet, zusammen mit den Daten ihrer Ermordung, soweit bekannt.

UPDATE 7. November 2012:
Heute Vormittag wurde vom Bezirksamt Mitte die Ausstellung abgeräumt, die über die Deportationen Moabiter Juden während der Nazizeit informierte. Die Ausstellung im Schaukasten vor dem Rathaus Mitte in der Turmstraße bestand aus einer Installation, die die Deportationen symbolisierte. Außerdem wurde eine Liste mit den Daten der über 1.800 Deportierten gezeigt, die ebenfalls abgebaut wurde. Eingerichtet wurde die Ausstellung am vergangenen Donnerstag von der Initiative »Sie waren Nachbarn«.
Als Begründung nannte eine zuständige Sachbearbeiterin, dass für die Ausstellung keine Genehmigung vorgelegen hätte, was nicht stimmt. Bereits im Herbst 2011, also vor mehr als einem Jahr, wurde sie genehmigt und zwar für den 1. bis 30. November 2012. Bei einem Telefonat, das nach der bereits erfolgten Zerstörung stattfand, sagte die Sachbearbeiterin, dass der Stadtrat den Schaukasten braucht.
Warum wir nicht im Vorfeld darüber informiert wurden, warum man nicht vorher das Gespräch mit uns gesucht hat, darüber sagte sie nicht. Nur, dass wir eben »Pech gehabt« hätten.
Die Begründung, wir würden nicht »auf der Liste« stehen, ist hanebüchen. Selbstverständlich gab es diese klare Vereinbarung und es liegt der Verdacht nahe, dass hier eigene Interessen vor das Gedenken gestellt werden sollen.
Dies ist besonders empörend, weil es uns wichtig war, diese Erinnerung auch über den 9. November hinaus zu zeigen, dem Tag der Reichsprogromnacht. Ausgerechnet hier in Moabit, wo die meisten Deportationen aus Berlin begannen, wird eine Erinnerung daran von Amts wegen abgeräumt.
Wir fordern eine sofortige Wiederherstellung der Ausstellung sowie eine Stellungnahme des Bezirksamts!

UPDATE 8. November 2012:
Am heutigen Donnerstag Nachmittag haben wir vom zuständigen Stadtrat eine Entschuldigung für die Zerstörung erhalten und die Zusicherung, dass wir den Schaukasten jetzt wieder nutzen können. Es hätte sich um einen Fehler eines Angestellten gehandelt. Am Abend haben wir die Ausstellung deshalb wieder aufgebaut, Listen und Plakate mussten erneuert werden.
Ein Dank geht dabei an die Hausarbeiter des Rathauses, die gestern mehrmals nachgefragt haben, ob sie die Ausstellung wirklich abbauen sollen, was doch so kurz vor dem 9. November nicht in Ordnung sein kann. Sie haben alle Ausstellungsstücke sehr sorgsam behandelt, so dass das meiste wieder zu verwerten war. Auch mehrere andere Personen innerhalb des Bezirksamts haben sich dort sehr für uns eingesetzt.

Insgesamt haben wir ein großes Interesse von Seiten der Medien und eine breite Solidarität erfahren. Mehrere Personen haben sich schriftlich bei uns über das Vorgehen des Amtes empört. Die Fraktion der Grünen will in der BVV nachhaken, wie es dazu kommen konnte. Die Kirchengemeinde Moabit-West hat einen Protestbrief an den Bürgermeister Hanke geschrieben. Mehrere Zeitungen sowie die RBB-Abendschau berichteten über den Vorfall.

Wir sind sehr froh, dass die ganze Angelegenheit gütlich geregelt werden konnte, auch wenn wir noch immer nicht wissen, was tatsächlich hinter dem Abriss der Ausstellung steckte. Mit dem »Nachfolger« im Schaukasten, dem Koordinationsbüro für das Fördergebiet Aktives Zentrum Turmstraße, haben wir uns geeinigt, dass sie den Ort nun ab dem 26. November nutzen können.

Einen großen Dank an alle, die uns gestern und heute so erfolgreich unterstützt haben!




Durch die Birkenstraße

Spektakulär ist sie nicht gerade. Die Birkenstraße in Moabit wird an ihrem Anfang an der Rathenower Straße von 50-Jahre-Wohnhäusern dominiert. Ein paar von ihnen sind in den vergangenen Jahren neu gestrichen worden, doch wirklich schöner sind sie dadurch nicht geworden.
Gegenüber etwas Grün an dem Komplex aus den 70er oder 80er Jahren: Schule, Jugendclub, Jugendamt, Jugendgerichtshilfe – nur Jugendliche sieht man hier nicht.
Vor der alten Tankstelle, in der jetzt eine Autowerkstatt residiert, gruppieren sich sechs Bänke um ein Blumenbeet mit Betoneinfassung. Blumen sind nicht drin, nur Unkraut. Bonjour Tristesse.

Grün allerdings begleitet mich auf dem Weg durch die Birkenstraße, auch wenn die meisten Bäume in Wirklichkeit Linden sind. Macht aber nichts.
Das andere Grün ist eines, das es so in Berlin nicht mehr oft gibt: Viele der Häuser dieser Straße haben noch Vorgärten. Selten gepflegt, aber immerhin.
“Grünt mit!” fordert das Plakat des Quartiersmanagements Moabit Ost auf. “Am Sonntag können Sie / kannst Du wieder mit Nachbarn zusammen Baumscheiben begrünen. Zwiebelpflanzen (müsste es nicht eigentlich Pflanzenzwiebeln heißen?), Werkzeug und Erde sind kostenlos.” Man gibt sich Mühe.
Baumscheiben sind nicht etwa das Ergebnis von zersägten Bäumen, sondern die Stellen rund um die Straßenbäume herum – oder die Fläche, auf denen mal welche standen.

Rund um die Kreuzung zur Wilsnacker Straße könnte man meinen, die 50er Jahre wären noch nicht vorbei. Die voll verschleierte Frau, die gerade über die Kreuzung geht, passt überhaupt nicht in das Bild. Keine ausländischen Namen auf den Klingelschildern, höchstens mal ein polnischer. Aber die “-inskis” und “-owskis” sind ja schon längst assimiliert. Nur aus dem Haus Nr. 3, wo die vielen Satellitenschüsseln an den Balkons hängen, hört man türkische Musik.
Diese Kreuzung ist vermutlich die unfallträchtigste im ganzen Stadtteil. Zwei breite, gleichberechtigte Straßen, das überfordert offenbar manche Autofahrer. Sie können es sich nicht vorstellen, dass auch hier derjenige Vorfahrt hat, der von rechts kommt. Selbst zwei Polizeiautos sind hier schon zusammengestoßen.

An der Einmündung der Bandelstraße endet die Nachkriegsbebauung. Hier begannen am 3. Februar 1945 die us-amerikanischen Bomber ihr Zerstörungswerk, einem einzigen Tag wurden Mitte, halb Kreuzberg und dieser Teil Moabits platt gemacht.
Gleich der erste Altbau ist beeindruckend. Fette weiße Säulen flankieren das Eingangsportal, das von einer Videokamera bewacht wird. Wie ein Schloss legt sich das Gebäude um die Ecke, Putten über dem Eingang, grimmige, steinernde Gesichter zwischen den Etagen, ein beeindruckender Koloss. Als Kontrast dazu haben ein paar junge Frauen im vergangenen Frühjahr zwischen Gehweg und Fahrbahn einen Garten angelegt. Rund 40 Quadratmeter groß, als Baumscheiben kann man das kaum noch bezeichnen. Darin ein Schild mit durchgestrichenem Hundehaufen. Eine kleine Bank, Sonnenblumen, alles nicht besonders gepflegt, aber schön.

Nur wenige Meter weiter die Einfahrt der städtischen Leichenhalle, “Landesinstitut für Rechtsmedizin”. Die Realität sieht trister aus als es die Fernsehserien vorgaukeln. Mehrmals täglich fahren Leichenwagen rückwärts auf’s Gelände, selten auch mal ein Krankenwagen. Immer dann, wenn es eine Todesursache zu klären gibt.
Das Institut ist Teil des ehemaligen Krankenhauses Moabit, dessen breite Einfahrt durch Schranken versperrt ist. Auf dem großen Schild des “Gesundheits- und Sozialzentrums Moabit” sind zahlreiche Einrichtungen aufgelistet: Arztpraxen, Psychologen, Behindertenhilfe. Und im Innenbereich steht derzeit ein großes Zelt, in dem Flüchtlinge betreut werden, aber das sieht man von hier aus nicht. Und die meisten wolles es wohl auch nicht wissen.

In der Birkenstraße gegenüber ein Lokal, das nicht so richtig weiß, was es sein will. Nach außen schick, die kürzlich in der Nachbarschaft verteilten Flyer versuchen einen seriösen Eindruck zu verschaffen (“Weltweit einmalige Atmosphäre, eleganter Nichtraucherbereich”). Doch in Wirklichkeit liegen draußen zerschlagene Gläser und Flaschen, nachts wird man beim Vorbeigehen als Passant von Gästen angepöbelt.
Ganz anders der “Back & Coffee Shop”, ein kleines Café mit etwas Pariser Charme. Zehn Meter von der Straße zurückgesetzt kann man in warmer Sonne herrlich draußen sitzen und seinen Milchkaffee genießen.

An der Ecke zur Perleberger endet der ruhige Teil der Birkenstraße. Hier tost der Autoverkehr von und nach Wedding, hier stehen die Fahrgäste an den Bushaltestellen, Jugendliche warten vor der Bücherei. Das orientalische Restaurant Osmanya hat seinen Außenbereich weit auf den Gehweg vorgeschoben, große, weiße Sonnenschirme unterstreichen den Gebietsanspruch. Es nutzt die ganze untere Etage des Hauses, einem schönen Komplex, von dem gesagt wird, dass er bis vor wenigen Jahren innen ziemlich rott gewesen ist. Aber der Turm an der Frontseite und die angedeuteten Giebel mit den Bogenfenstern sind jetzt sehr beeindruckend und verbreitet einen gemütlichen Charme. Bis zur Sanierung befand sich hier übrigens eine der bekanntesten Kifferkneipen der Stadt.
Direkt daneben, durch die Bäume kaum sichtbar, versteckt sich eine kleine Straße, Sackgasse vom Stephanplatz aus. Sie ist der Ruhepol der lauten Kreuzung.
Ruhe verspricht auch die Heilige-Geist-Kirche, deren Eingang direkt auf die Kreuzung zeigt. Wenn aber mittags ihre Glocken loslegen, ist es mit der Ruhe vorbei, dann versteht man auf der Straße und in den umliegenden Häusern kein Wort mehr. Aber schön ist auch sie, mit ihren schmutzig-roten Ziegeln und dem burgartigen Charakter.

Von links trifft nun die Lübecker auf die Birkenstraße. Gegenüber ist die Einfahrt zum Parkhaus, unauffällig die gelbe Wellblechwand des Treffpunkts, “Bürste” nennt sich der Verein der ihn betreibt, Bürger für den Stephankiez. Es ist einer der wenigen Nachbarschaftsvereine, die tatsächlich bei den Bürgern verankert ist. Hier ist auch das Gebiet des Jungen, der immer mit einem kleinen Radio am Ohr seine Runden zieht, seit Jahren. Jeder hier kennt ihn.
Die Birkenstraße 57 ist ein unauffälliges Haus vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Hier lebten bis Anfang der 30er Jahre die Gebrüder Sass, ein Gaunerduo, das in der ganzen Stadt immer wieder mehr oder weniger erfolglos versuchte, Banktresore zu knacken. Am Ende wurden sie hingerichtet, der Großteil der Beute wurde bis heute nicht gefunden.

Dann die Kreuzung zur Strom- und Putlitzstraße. Die mächtige, runde Fassade des Moa-Bogens bestimmt den Ort. Das Einkaufscenter ist innen kleiner als vermutet, es teilt sich den Platz mit einem Hotel und Fitnessräumen. Noch vor wenigen Jahren standen hier die Ruinen der Paech-Brotfabrik, nach dem Abriss nur noch der hohe Industrieschornstein. Die Kinder im Kiez hofften auf eine spektakuläre Sprengung – doch am Ende wurde er einfach nur abgetragen.
Tagsüber ist die Kreuzung sehr voll und laut. Aus der Richtung S- und U-Bahn strömen die Passanten in alle Richtungen, auch in die Stephanstraße, die hier unauffällig hinter dem Moa-Bogen liegt. Gleich drei Döner-Imbisse bieten hier Speisen an. Einer davon gehört zur Ayasofya-Moschee, vor deren Tor regelmäßig die Werbeplakate übermalt oder abgerissen werden, wenn darauf leicht bekleidete Frauen zu sehen sind.

Rechts dann das erste von drei Wirtshäusern, die sich innerhalb von 50 Metern Konkurrenz machen. Das Arema war bis Mitte der nuller Jahre noch ein winziger Einkaufsladen, betrieben von zwei Ehepaaren, die längst im Rentenalter waren. Nachdem sie aufgegeben haben, legten die Nachfolger die alten gekachelten Wände frei, bis in den Seitenflügel erstreckt sich heute das Restaurant. Innen eine eiserne Wendeltreppe, die ins Nichts führt.
Auch das Lichtblick im einst besetzten Haus und der alte “Dicke Engel” an der Kreuzung zur Wilhelmshavener Straße bieten viel Platz, warme Küche und kalte Getränke. So viel geballte Gasthäusigkeit gibt es sonst in der ganzen Gegend nicht mehr. Sie und auch das Café Crema ziehen eine Klientel an, die einerseits den Kiez aufwertet, gleichzeitig aber auch als Vorboten einer Gentrifizierung gefürchtet wird, die in die Vertreibung der alteingesessenen Bevölkerung mündet. Hier ist der Streit Aufwertung contra Erhaltung preiswerten Wohnraums direkt sichtbar. Wie er ausgeht, ist noch nicht entschieden.
Oben an der Kreuzung stoppen mal wieder zwei Polizeiwannen. Die Beamten rennen die Treppen zum U-Bahnhof herunter, Drogendealer jagen. Ein Junge von etwa 13 Jahre wird erwischt, ihn kennt man hier schon.

Neben der feuerwehrroten Tür geht es in den Merhaba-Discount von Ali Kamburoglu. Er ist im Kiez eine Legende. In seinem Obst- und Gemüsegeschäft bekommt man an der Kasse stets noch Nachhilfe in Politik, vor allem zum Thema Nahost. Manch einer geht extra deswegen dort einkaufen, andere meiden den Laden aus diesem Grund.
Schräg gegenüber, an der Ecke zur Bremer Straße, liegt noch der Birken-Schulgarten. “Noch” auch deshalb, weil er mal wieder und immer wieder von der Schließung bedroht ist. Die Politik steckt eben lieber Geld in den Autobahnbau, als in die Erziehung der Kinder. Dass die ein gesundes Verhältnis zur Natur bekommen und lernen, dass Gemüse nicht im Supermarkt wächst, ist offenbar nicht so wichtig.

Hier endet die Birkenstraße an einer alten Kastanie, die in einer einst sicher schönen Grünanlage steht, die heute jedoch verwildert ist. Davor aber nochmal kleine Gärten vor den Wohnhäusern, so wie man sie in der Birkenstraße öfters sieht.




Unten oben Gottesort

Ich komme von unten. Die Station unter der Erde heißt Turmstraße, der Name weist nach oben-, von unten herauf, über die Erde, auf den Turm; hier wäre die erste Gelegenheit der Turm der Heilandskirche, 87 m hoch: das wäre doch was: aus dem U-Bahnhof in den Direktfahrstuhl und bis in die Spitze: “Turmspitze, zurückbleiben” riefe der präpositionsfeindliche Fahrstuhlabfertiger, als ob im Augenblick ihrer Überwindung oben und unten sich umkehrten, die Zukunft die Vergangenheit, die Vergangenheit Zukunft. Um Gottes willen! Was war, wer will es wieder?
Ich nehme den Ausgang Alt-Moabit, in Berlin heißen viele Straßen ausdrücklich “Alt-“, dass auch ein Fremder schnell lernen kann: die Stadt hat wenig selbstverständliches Alter, sie muss sich welches herbeireden. Alt-Moabit ist ein Stück von meinem Leben. Eine Zeitlang war ich Richter dort unten; hinten liegt das Gefängnis. Ich weiß nicht, wie viele Menschen auf meine Verfügung um ihre Freiheit gekommen sind. Ich habe mir Mühe gegeben, schnell die Kurve in die Ziviljustiz zu kriegen; da ging es nur um Geld, am liebsten war mir die Kammer für Handelssachen: Kaufleute gegen Kaufleute, keine moralischen Probleme, reine Ökonomie, man konnte vernünftig handeln.

Es beginnt heftig zu regnen. Als ob ich für einen schuldhaften Gedanken bestraft werden müsste. Der Himmel überschüttet mich. Schnell nach rechts, in den Spreebogen, der der lebhaften Einkaufsstraße eine postmoderne Eleganz hinzugefügt hat, die sich sehen lassen kann. In meiner Zeit war das Bolle, Meierei, abgeschlossen, nur für Befugte. Jetzt einladend offen. Nicht die Architektur ist die Leistung, sondern die Vermietung. Demnächst verbindet die Spreebogen-Öffnung Alt-Moabit nach Süden mit Bundesregierungsamtlichkeit, hinten hat ein Geschickter das Bundesinnenministerium als Mieter gewonnen; falls da Otto Schily einziehen sollte – mein Gott: der Terroristenanwalt von damals jetzt hier an das vornehme Ufer, ein Herr der großen Lauschangriffe. Das stelle ich mir voller Verwunderung vor, im “Paulaner” sitzend, einer weiß-blauen Gaststätte mit Weißwurst im stilechten Suppentopf. Die Berliner hatten immer was übrig fürs Bayerische.

Als ich von der Blaskapellen-Musik genug habe, regnet es kaum noch. Ich kann schnell hinüber unter den Säulengang der Johanniskirche. Die edle Kirche ist von Schinkel, von ihm sind auch die ersten Gefängnispläne; als die Kirche mit dem Campanile von Stüler 1857 fertig ist, ist auch das Zellengefängnis nebenan nach dem Plan von Paul Sieneck endgültig fertig, Kirche und Gefängnis gehören historisch zusammen, da gäbe es viel zu sagen.
Ich sitze auf den Stufen, hinter dem Säulengang, dem Schmiedeeisengitter, dem goldenen Kreuz, das in die Kirchstraße hinunterleuchtet. Ich lese die Anschläge. Chormitglieder werden gesucht; der Pastor empfiehlt, die schöne Rosette auch mal von innen zu betrachten.
Als ich mich auf den Rückweg mache zur U-Bahn, wähle ich mir aus der Geschichte der Kirche einen positiven Helden aus, einen Pfarrer, der hier in der Nazizeit Gott lobte und ein aufrechter Mann blieb: Er hieß Hitzigrath. Ehre seinem Andenken.

Mit dieser Erinnerung fahre ich nun unter der Erde hinüber nach Wedding. Nur ein paar Minuten bis zum Leopoldplatz. Und eine ganz ähnliche Szene: von Turmstraße zu St. Johannis, vom Leopoldplatz zu St. Joseph. Die Müllerstraße entlang. Auch ein biographischer Weg für mich.
Als H.-G. Lorenz geschäftsführender Landesvorsitzender der SPD war, die zu dieser Zeit eine Gesamtberliner SPD wurde, war ich fast täglich im SPD-Haus in der Müllerstraße. Zwei türkische Häuser davor, auf der Treppe der in die Straßenflucht eindrucksvoll eingepassten St. Josephskirche, verweile ich einen Augenblick wie vorhin am Fuße von St. Johannis. Auch hier werden Chormitglieder gesucht; der Pastor verweist im Schaukasten auf den heiligen Antonius von Padua: ich bin ein Heide, aber dieser Heilige ist mir sympathisch.

Der 13. Juni, an dem ich diesen Text schreibe, ist sein Tag. Buch und Esel sind seine Attribute. Ich liebe Bücher und Esel. Meine Freundin hält Esel. Die Stute hat gerade ein Fohlen geboren. Wir wollen es Toni nennen. Als ein Ungläubiger die Wirklichkeit Christi bezweifelte, zeigte Antonius einem Esel die Hostie und das Tier sank nieder auf die Knie, verständiger als die Menschen. Als die Einwohner von Rimini den Heiligen nicht anhören wollten, predigte er den Fischen, die verständiger als die Menschen – ihm aus dem Meer die Köpfe entgegenreckten, um seiner süßen Rede zu lauschen. Der Platz gegenüber, im dichten Grün der Bäume, heißt – auf den Stadtplänen der BVG in den nahen U-Bahnhöfen steht es seit Jahren unverändert falsch – nach dem Pfarrer Metzger von St. Joseph, dem die deutsche Justiz in Brandenburg das Leben nahm, weil er den Deutschen Frieden gepredigt hatte. Ehre seinem Andenken.

Die Kirche erreicht man hintenherum über die Willdenowstraße, der Hof öffnet sich und bildet eine Exklave der Kirchlichkeit mitten in den Lebensstraßen: Das katholische Gottesarrangement ist dem evangelischen in Alt-Moabit ziemlich ähnlich. Als der Teufel über Deutschland herrschte, hatten beide Konfessionen ihre Teufelsanbeter und beide auch die Gerechten, um derentwillen ihr Gott das Land nicht verworfen hat.
Ich gehe die Willdenowstraße zu Ende, bis sie an der Lynarstraße auf die S-Bahntrasse stößt, über die bald wieder hoch die Ringbahn fahren wird. Jetzt steige ich inmitten der Müllerstraße hinab in die U 6, die von Alt-Tegel nach Alt-Mariendorf fährt, als ob es von unten aus den Zeiten herauf und wieder hinabginge, in zehn Minuten bin ich am Oranienburger Tor. Dort beginne ich das dritte Stück dieses meine Gefühle schüttelnden Fahr-Spazierganges. Dieser über und unter der Erde verlaufende Weg führt durch ein einmaliges und gleichzeitig typisches Stück Berlin; drei exemplarische Male erreicht er Punkte, an denen die Stadt sich anhebt in die Welt, in der das Vorbild aller Städte liegt: das himmlische Jerusalem. Als ich die café- und kneipenreiche Oranienburger Straße, die bereits durch die jüngste deutsche Vergangenheit hinauf- und hinabläuft als eine zeitgeschichtliche Berg- und Talbahn, ostwärts gelaufen bin und vor der Großen Synagoge stehe, deren goldene Türme dem himmlischen Jerusalem morgenländisch besonders nahezustehen scheinen, denke ich: es gibt so viele himmlische Vorbilder für irdische Städte, im Himmel ist unser christlich-jüdisches Jerusalem vielleicht nur ein Vorort. Die leuchtenden Goldtürme in der Oranienburger Straße sind nur der Rest der Großen Synagoge, der Architekt von 1860 hatte die Alhambra vor Augen, unter den Arabern in Spanien war die Integration von Islam und Judentum gut gelungen, bis die Christen kamen und Araber und Juden vertrieben, zur selben Zeit Amerika entdeckten und die Indianervölker ermordeten.

Wild gehen mir die Gedanken durch den Kopf, während ich mit anderen Touristen vor den Goldtürmen stehe; vier Polizisten, “Angestellte im Polizeivollzugsdienst” machen einen ganz friedlichen Eindruck, geben Auskünfte über die jüdischen Einrichtungen, die hier zu finden sind, einer raucht lässig. Auch die Synagoge, sagen wir also Synagoge zu dieser Synagogenerinnerung, gehört zu einem geistlich-weltlichen Sperrbezirk, wie St. Johannis, wie St. Joseph: eine Exklave, dicht am dichten Straßenleben, zwischen Gott und Museum. Feenhaft, überirdisch, schrieb die Vossische Zeitung, als die Synagoge fertig war.
Vor dem Postfuhramt, das auch morgenländisch aussieht, steige ich hinab in die S-Bahn, die mich unterirdisch abfährt bis nahe dorthin, wo ich diesen Text geschrieben habe, von einem Gefühl ins andere stürzend, auf und ab. Keine Stadt zerstört der Herr, die nicht Warner gehabt hätte. Nach dem Schweren kommt das Leichte.

Aus: Spaziergänge in Berlin (1990er Jahre)




Voll krass Werbung, Alter!

Werbung in “Kiezsprech”? Perleberger Straße in Moabit.




Frack vor Graffiti

Moabit hat eine Geschichte, die im vorletzten Jahrhundert so richtig Fahrt aufnahm. Nach Raupenzucht, Seehandlung, Porzellanmanufaktur und Maschinenbauanstalt kamen endlich auch Bewohner. Der Ort entwickelte sich zum Wohnquartier und viele Gebäude aus dieser Zeit stehen noch heute. Doch Krieg, Flächensanierung und geplanter Autobahnbau haben einen Teil Moabits vernichtet. Glücklicherweise aber gibt es noch alte Fotografien und so hat sich Alexander Kupsch daran gemacht, das alte und das neue Moabit miteinander zu vergleichen. Seine Fotos montierte er mit alten Postkarten und schuf so einen interessanten Einblick in einige Orte dieses Kiezes.
“Gruss aus Berlin” heißt seine Website, auf der auch noch historische und neue Aufnahmen aus Schöneberg miteinander verwebt.
Wie schreibt Kupsch auf der Startseite: “Steigen Sie ein in Straßenszenen mit Herren im Frack vor Graffitis von heute.”

www.gruss-aus-berlin.com




Unterstützer gesucht!

Im Oktober beginnt eine Kampagne, die an die deportierten Juden aus Moabit erinnert. Mit Plakaten, zwei kleinen Ausstellungen und weiteren Aktionen werden einzelne Schicksale vorgestellt, um zu zeigen, dass die Opfer nicht anonyme Aliens waren, sondern einfache, ganz normale Menschen aus der Bevölkerung.
Die Kampagne “Sie waren Nachbarn” wird von einer Privatinitiative organisiert, die kaum Geld zur Verfügung hat. Deshalb hier der dringende Aufruf, für die Aktion zu spenden. Insgesamt wird die Summe von 1.000-2.000 Euro benötigt, was eigentlich nicht viel ist. Trotzdem ist erst ein kleiner Teil des Geldes vorhanden, so dass die Kampagne derzeit auf der Kippe steht.
Wenn Sie die Aktion für eine gute Sache halten, unterstützen Sie sie!
Mehr Informationen:
www.sie-waren-nachbarn.de




Lübeck, Tucholsky, Ulk

Ich habe eigentlich keine Heimat. Mein erstes Lebensjahrzehnt verbrachte ich in Sonneberg, Thüringen. Nichts über Sonneberg.
Meine Eltern stammten aus Jena. Dort wurde ich zwischen Krieg und Frieden eine kurze Zeit aufgehoben. Bis ich nach Lübeck kam. Die acht Jugendjahre, die ich dort verbrachte, müssen jetzt ausreichen, damit ich “Lübeck” sage, wenn mich jemand fragt, woher ich bin.
Ich bin nicht heimatlich gesinnt. Wenn es sein muss, klammere ich mich an die Hansestadt. Wenn ich an einen Ort komme, der nach Lübeck heißt, fühle ich mich an den Südhang des Thüringer Waldes versetzt und empfinde heimatliche Gefühle.
Hat Tucholsky irgend etwas Heimatliches gefühlt, wenn er in die Lübecker Straße kam? Vielleicht kam er nach Studium und dem erstem Weltkrieg kaum noch hin.
Die Frage ist biographisch. Deshalb weniger interessant als die Frage: Würde er Heimatliches fühlen, wenn er jetzt hinkäme?
Diese Frage ist politisch. Elemente der Antwort wären:
Hier, in dieser Tiergartener Straße, in einem Haus, das jetzt gerade renoviert wird und in dem zur Zeit niemand wohnt, ist Kurt Tucholsky – Deutschschriftsteller von Jahrhundertklasse – am 9. Januar 1890 geboren. Damals war sein Vater, der so schön Klavier spielte, wohl noch nicht Bankdirektor. Die väterliche Musik ist verklungen. Hörte er, auferstanden in die Lübecker Straße von heute, jetzt, vor allem das, was man eben nicht mehr vernimmt in Deutschland, also Schweigen? Reden, Schreiben, Schweigen: die tucholskysche Steigerung.

Ich glaube nicht, dass dem hypothetischen Tucholsky die Gegend ganz fremd wäre. Hinten liegt immer noch die Trutzburg der Justiz und ihr Gefängnis. Seine Mauern sind am Abend jetzt in gelbliches Licht getaucht. Das hebt die Dunkelheit nicht.
Das Gefängnis muss der Lübecker Straße immer schon etwas Steiles gegeben haben. Steil? Wie hochragende Häuser, die an Friedhöfe reichen. Dabei reicht die Lübecker Straße gar nicht an die Justizbauten heran. Man spürt sie nur im Hintergrund. Oder ist das bloß persönlich?
Ich bin lange Jahre Richter gewesen. Auch eine Zeit lang im Kriminalgericht dort hinten. Aus dem Beratungszimmer konnten wir die Imitat-Lüster in einer Wohnung in der Turmstraße sehen; wir blickten hinüber und erwarteten irgend was in dieser zur Schaubude verengten Wirklichkeit. Am liebsten, dass sich zwei geliebt hätten, während wir über Freiheit und Gefangenschaft berieten.
Die Gegend ist tucholskyisch. Nicht etwa, weil er Jurist war. Das Juristische war nicht das Tollste an ihm. Aber er hat immer in Erkenntnisnähe zu den Kerlen gelebt, die die Verfolgungsmaschine bedienen. Er glaubte nicht an Gerechtigkeit. Deutschland fing schon in den 20-er Jahren an, ein Ungerechtigkeitsland zu werden, ein Unland.

Die Lübecker Straße ist eine Berliner Großstadtstraße, auch ein Stadtlehrpfad: Zweimal rauf und runter, da kriegt man manches mit, wenn man auch nur schwer sagen kann, was. Ein Beispiel ist das Eck-Ensemble Lübecker / Perleberger Straße. Das nordöstliche, spitz wie ein Linienschiff auf die Perleberger zugerichtete Eckhaus: Ein Prachtstück des 19. Jahrhunderts, gegenüber ein postmoderner Rundbau, an der anderen Eckseite, westlich: Eine Kirche, im Stil des sozialen Wohnungsbaus, von der Ecke zurückweichend auf eine tolkienisch gemalte Großhauswand zu, und auf der anderen Straßenseite “Lebenstraum Wohnprojekt”, eine Ruine, die schon zur Erneuerung eingerüstet ist. Über sie hinweg und an ihr vorbei sieht man auf die Hinterhäuser der Perleberger Straße, deren Fenster am Abend erleuchtet waren, als würde dort überall Weihnachten gefeiert.

Berlin ist jetzt viel ausgeglichener, nicht so streng, wie es in den 20-er Jahren mit sich war, nicht so streitig, nicht so vorlaut. Das würde Tucholsky vielleicht denken, wenn er jetzt den Weg anträte von hier in die Straße, die seinen Namen trägt, in Mitte. Er ginge die Straße Alt-Moabit entlang, in die Invalidenstraße, die am Abend jetzt ein breiter Weg ins Dunkel ist, aus dem die gewalttätigen Autos hervorkommen, hinter ihren Scheinwerfern selbst nicht erkennbar.
Manche Himmelslichter, die Tucholsky vielleicht für Sterne hielte, gehören zu Kränen, die sich langsam durch die Dunkelheit schwenken, welche den Lehrter Bahnhof umhüllen: Diese denkwürdige Baustelle, für die Tucholsky die beschreibenden Worte hätte, die mir jetzt fehlen.
Ich stehe da, es ist gleich sechs Uhr am Abend, ich fühle mich alleine unter den Maschinen, sowohl unbehaglich wie aufgeregt. Ich bin für Minuten Teil des Verwandlungs-Prozesses, den Berlin durchmacht und der nicht gerade unheimlich, aber doch undurchschaubar ist, für unsereinen, für einen Fußgänger, der wohl auch ein geistiger Fußgänger ist.
Viel Neuerung ist auf dem Weg durch die Invalidenstraße zu verarbeiten, ehe man durch die Torstraße bei der Tucholskystraße angelangt ist. Unter der Tucholskystraße donnert der Untergrund. Das ist die S-Bahn. Die donnerte hier schon, als Tucholsky noch in Berlin lebte, und die Straße, passend zum Donner von unten, Artilleriestraße hieß.

Ich beginne diesen Text im Caféhaus von Adass Jisroel, Beth-Café, zu schreiben. Aber – wie ich in einem früheren Hauptstadt-Spaziergang schon geschrieben habe – mit dem Judentum will ich Tucholsky nicht in Verbindung bringen. Das Judentum ist hier, wie in Deutschland überhaupt, Relikt, da ist nichts zu machen.
Tucholsky war Heide. Ich bin auch einer. Oder wie soll ich das ausdrücken? Nicht mit einem aggressiven Begriff. Tucholsky hatte sich zur Rationalität missioniert.
Es hat nichts geholfen. Gottglauben hilft nicht, Gottnichtglauben hilft auch nicht. Also: Abtreten! Nein, nein: Das hoffe ich doch, dass Tucholsky, jetzt, heute in dieser Stadt Berlin, andere Auswege wüsste als Auswege aus dem Leben. Die Serviererinnen im Beth-Café haben hübsche rote Schürzen und adrette rote Fliegen, sie sind freundlich, es ist warm, hell, licht. Kurz nach 19 Uhr, im November wie in tiefer Nacht, aber keine Nacht für Gespenster.
Das von innen freundlich beleuchtete Antiquitäten-Geschäft gegenüber sieht aus wie aus einem Advents-Kalender. Ich habe es schon in einer juristischen Lehr-Veranstaltung vorkommen lassen, es gehört zu mir. Ich bin zu Hause in meiner adoptierten Heimatlichkeit.

Es ist zu spät jetzt und für einen Fußweg ganz bestimmt zu weit, aber wenn einer nun die Tucholskystraße immer gerade südwärts marschierte, dann brauchte er unten, in der Nähe der Leipziger Straße, nur ein Stück nach Osten und erreichte die Jerusalemer Straße.
Dort war der Sitz einer der berühmtesten Zeitungen Europas, Rudolf Mosses Berliner Tageblatt und Handelszeitung, sie erschien wöchentlich zwölf Mal, beigelegt verschiedene illustrierte Gratis-Zeitschriften: der Weltspiegel, der Modenspiegel, die Technische Rundschau, die Filmzeitung, die Fotozeitung und… und der Ulk.
Mit diesen Zeitungen verulkte der deutsch-nationale Hugenberg das deutsche Volk, ulkte es zu Hitler hinüber. Aber – manche wissen es nicht mehr – von 1918 bis 1920 war Kurt Tucholsky, noch nicht 30 Jahre alt, Chefredakteur dieses Witzblattes. Einer seiner ersten professionellen Texte – oder war es überhaupt der erste? – steht dort. Das “Märchen: Es war einmal ein Kaiser…” (es folgen elf Zeilen und dann:) “…er pfiff drauf”. Lesen Sie den Text doch nach, bitte.
Nachdem nun 90 Jahre darüber hingegangen sind, ist dieser Text längst nicht mehr so lustig wie er in seiner Wortwitzigkeit anfangs war, als dieser Kaiser noch gar nicht angefangen hatte zusammenschmeißen zu lassen, was nicht mehr aufzubauen war.

Aus: Spaziergänge in Berlin (1990er Jahre)




Es muss ja nicht immer Friedrichstraße sein…

Produktpiraten in der Turmstraße.




Antisemiten in Moabit

Moabit, Sommer 2011. In Vorbereitung auf eine Kampagne zur Deportation von Juden während der Nazizeit laufe ich die Straßen zwischen Spree und Alt-Moabit ab. Ich bin auf der Suche nach “Stolpersteinen“, kleinen Erinnerungstafeln, die im Bürgersteig eingelassen sind. Auf ihnen stehen Daten von Opfern der Naziherrschaft, fast alles Juden.
Am U-Bhf. Turmstraße liegen gleich mehrere im Boden. Während ich die Daten notiere, kommt ein Mann, spuckt demonstrativ auf die Schilder, grinst mich an und verschwindet im Bahnhof. Einen Moment lang bin ich sprachlos. Einen solch offenen Antisemitismus hatte ich nicht erwartet.

In der Bochumer Straße stehe ich wieder an einigen Stolpersteinen. Ein alter Mann, wohl türkischer oder arabischer Herkunft, sitzt neben dem Eingang und betrachtet mich interessiert. Als ich gerade weitergehen will, hält er mich am Arm fest und raunt mir zu: “Gut, dass die weg sind. Das waren Juden”.
Diesmal konnte ich wenigstens reagieren: “Ja richtig. Und die Mörder von damals wollen heute die Türken umbringen.” Er winkt ab und geht an sein klingelndes Handy.

Später noch die Begegnung mit der alten Frau, die mit ihrem Rollator in der Agricolastraße an mir vorbei wackelt: “Schlimm, das alles”, sagt sie und ich stimme ihr zu. Aber sie war noch nicht fertig: “Wie lange sollen wir Deutschen uns denn noch vorwerfen lassen, was die Juden uns angetan haben?”
Mittlerweile war ich richtig wütend. Ich schrie sie an. “Was die Juden getan haben? Sie waren die Opfer, sie wurden vergast! Die scheiß Nazis haben das getan, Deutsche wie Sie!”
Ich weiß nicht, ob dieser Spruch gerechtfertig war, aber in diesem Moment habe ich nicht darüber nachgedacht. Die Frau schaute mich verächtlich an und ging weiter.

Innerhalb von nur zwei Stunden hab ich drei Beispiele antisemitischen Denkens erlebt. Natürlich habe ich damit gerechnet, dass jemand was sagen könnte, aber dass es so massiv sein würde, hat mich überrascht.
Nicht unterschlagen will ich aber auch zwei positive Reaktionen. Eine Mutter erzählte ihrem etwa 10-jährigen Kind, wofür die Stolpersteine da sind. Und das auf eine Weise, dass der Junge das wenigstens ansatzweise verstanden hat.
Und eine mittelalte Dame osteuropäischer Herkunft sprach mich in der Dortmunder Straße an. Sie freute sich über die geplante Kampagne. Ihr Großvater sei als angeblicher Jude in der Ukraine ermordet worden. Zwar war er gar kein Jude, aber sie meinte: “Ich wäre stolz darauf, eine Jüdin zu sein!”

Im Herbst wird die Kampagne “Sie waren Nachbarn” offiziell beginnen. 70 Jahre nach Beginn der Deportationen zeigen mir diese Erlebnisse, dass sie noch immer wichtig ist.




Eingemeindung von Moabit und Wedding

Wissen Sie noch? Vor 150 Jahren war Berlin im Verhältnis zu heute wirklich klein. Es bestand im Prinzip aus dem alten Bezirk Mitte und je etwa der Hälfte von Friedrichshain und Kreuzberg. Dort verlief die südliche Stadtmauer entlang der jetzigen U-Bahn. Erst im Jahr 1920 wurde Berlin zu einer Großstadt. Mit den Eingemeindungen von Spandau bis nach Köpenick wuchs die Stadt auf das Zehnfache.
Begonnen hatte es aber schon 1861. Am 1. Januar wurde die Stadtgrenze Richtung Westen und Nordwesten ausgeweitet, die heutigen Stadtteile Moabit, Wedding und Gesundbrunnen eingemeindet. Die Gegend bestand vor allem aus Industrie, u.a. Borsig, AEG, Loewe. Heute sind davon nur das Siemens-Transformatorenwerk und die einstige Schering-Fabrik übrig.

Zur Erinnerung an die Einverleibung startet der Bezirk Mitte eine Veranstaltungsreihe, die am kommenden Samstag (4. Juni) beginnt und über den ganzen Sommer reicht. In der Arminius-Markthalle in Moabit treten historische Persönlichkeiten auf, wie Carl Bolle, der seinen Milchkonzern ganz in der Nähe an der Spree aufbaute. Auch August Borsig, Rudolf Virchow und Emil Rathenau erzählen aus ihrer längst vergangenen Geschichte.

In weiteren Veranstaltungen wird z.B. die Geschichte des Krankenhauses Moabit, beleuchtet, auch die der Armniniushalle, des Zellengefängnisses Lehrter Straße, dazu gibt es verschiedene Führungen und Buchlesungen.




Invasion in Moabit

Anfang März begann offensichtlich eine Invasion rund um die Wilsnacker Straße im Osten Moabits. Innerhalb nur eines Tages verdoppelte sich plötzlich die Anzahl der Altkleider-Sammelboxen. Auf einem Fußweg von nur fünf Minuten stehen nun 11 dieser Container, in der näheren Umgebung (z.B. Birken- und Perleberger Straße) kommen noch weitere dazu.

Allein an der Kreuzung Krupp-/Ratenower Straße befinden sich gleich drei dieser Teile innerhalb von nur zehn Metern.

Es muss doch einen Grund haben, dass ausgerechnet diese Gegend so sehr mit den Teilen voll gestellt wird. Zum Beispiel:
1. Die Firma, die diese Boxen aufstellt, musste vor dem vergangenen Wochenende und schnell ein paar davon loswerden.
2. Die Moabiter sind so reich, dass sie sich ständig neue Klamotten kaufen und deshalb viel in diese Container werfen.
3. Es sind getarnte Außerirdische, die eine Invasion der Erde vorbereiten und sich schon mal im Zentrum unseres Planeten, also rund um die Wilsnacker Straße, in Position bringen.
Am Wahrscheinlichsten scheint mit die dritte Variante, aber ich bin gerne bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen!